Deutsches Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Robin Ticciati © Kai Bienert
Kai Bienert
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Musikfest Berlin | Philharmonie Berlin - Deutsches Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Robin Ticciati

Bewertung:

Robin Ticciati und das DSO Berlin spielten gestern Debussys "Le Martyre de Saint Sebastien". Dazu erklang Richard Wagners Suite aus der Oper "Parsifal".

Erlösung und religiöse Ekstase ganz ohne Leiden und Zweifel: das bietet die von Claudio Abbado zusammengestellte Suite aus Parsifal. Im Vorspiel deutet sich der Konflikt ja nur ganz leise an, dann schalten wir uns beim Karfreitagszauber ein um schließlich, vom Rundfunkchor geleitet, in die Erlösung einzubiegen. Das ist dramaturgisch unbefriedigend. Allerdings zauberhaft musiziert vom DSO mit Robin Ticciati, der seine Fähigkeit zum organischen Wachsenlassen  hier ganz ausspielen konnte. Der Rundfunkchor, zuerst die Männer, dann die Damen von den Emporen, sang erst kernig, dann engelsgleich.

Sinnlich

Gabriele D’Annunzios "Mysterienspiel" über das Martyrium des Heiligen Sebastian ist reinster Jugendstil mit mystisch exaltierter Verschraubtheit. Das ursprünglich fünfstündige Opus, geplant als Gesamtkunstwerk inklusive Tanz,  wurde mangels Erfolg auf seine musikalischen Teile kondensiert und durch eine Sprecherin mit Erzählfaden versehen. Der überdrehte Inhalt ist heute kaum noch wirklich zu goutieren, als Beispiel für die  überspannte Atmosphäre 1911 und als Anlass für Debussys köstliche, vielfarbige, sinnliche Musik kann es noch angehen.

Überdurchschnittlich

Felicity Lott gestaltete den so wichtigen Part des erzählenden Sebastian ganz in diesem exaltierten Sinn, mit viel Schauspiel und großer Präsenz. Sie ließ sogar vergessen, dass der schöne Adonis-Sebastian der Vorlage eigentlich ein Jüngling und keine reife Dame ist. Ihr für manche Ohren etwas sehr exaltiertes Französisch war aber durchaus stilecht. Das Orchester bot alle berückenden Farben auf, die Solisten waren ebenfalls überdurchschnittlich. Der Rundfunkchor hatte viele berückende Einsätze, Robin Ticciati sorgte für Innenspannung.

Clemens Goldberg, kulturradio

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