Willkommen bei den Hartmanns © Franziska Strauss
Franziska Strauss
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Komödie am Kudamm im Schiller Theater - "Willkommen bei den Hartmanns"

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Vor zwei Jahren lief der Film "Willkommen bei den Hartmann" erfolgreich in den Kinos. – John von Düffels Bühnenfassung hat Martin Woelffer nun im Schiller Theater zur Erstaufführung gebracht.

Es geht ihnen gut – den Hartmanns: Vater, Mutter, erwachsene Kinder und ein Enkel müssen sich zumindest finanziell keinerlei Sorgen machen. Was Mutter Hartmann dazu bringt, sich für andere, denen es schlechter geht, einzusetzen.

Man hilft. Man holt sich einen Flüchtling aus Afrika in die schnieke Villa. Und damit hat man dann Probleme am Hals, die man sich vorab gar nicht vorstellen konnte – Probleme allerdings, die weniger mit dem Flüchtling zu tun haben, als mit den eigenen kleinen und großen Lebenslügen.

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Zu seicht

Der 2016 herausgekommene Spielfilm war im Kino ein enormer Erfolg. Bis heute haben ihn fast vier Millionen Zuschauer gesehen. Die Berliner Theaterfassung nun hat vieles aus der Vorlage übernommen, natürlich gerafft, verkleinert – und ein Problem nicht überspielen können: Die Zeit ist über den Film hinweggegangen.

2018 haben wir eine Gesellschaft, in der ein viel brutalerer Ton herrscht, haben sich viele Rechte tatsächlich mehr und mehr in Richtung Radikalität entwickelt, nimmt Gewalt gegen Fremde, gegen Minderheiten generell, zu. Und da die Bühnenfassung von John von Düffel – anders als eine andere zuvor in Wien – sich um Bezüge zur aktuellen politischen Lage kaum schert, fehlt es ihr an Schärfe, rutscht das Leichte – Witze um Botox und andere Misslichkeiten – ins Seichte. Bis zur Pause ist das regelrecht fatal, danach wird die Inszenierung ein wenig dichter, wirklich scharf aber nicht.

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Am Ende großer Jubel

Star des Abends ist das Bühnenbild von Stephan Fernau: die riesige Fassade einer Zehlendorfer Villa, die sehr wandelbar ist; da lassen sich durch das Verschieben von Teilen Räume öffnen, die das Spielfeld erweitern. Fernseh- und Kino-Stars wie Gesine Cukrowski, Rufus Beck und Marion Kracht wirkten bei dieser besonderen Premiere (neuer Ort, ein ungewöhnliches Stück), verständlicherweise, sehr angespannt. Wohl jeder im Publikum gab ihnen drum einen Bonus. Im Laufe der Aufführungen werden sie sicher mehr miteinander spielen als, wie zur Premiere, aneinander vorbei.

Der Beifall des größten Teils der in hohem Maße prominenten Zuschauer (viele Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Intendanten aus Berlin waren etwa dabei), nur wenige gingen in der Pause, war frenetisch. Nahezu jede Szene wurde beklatscht, am Ende großer Jubel. Da schwang sicher auch Freude darüber mit, dass die Ku’damm-Bühnen im Schiller Theater eine vorübergehende Heimstatt gefunden haben. Nur wenige Jahre soll’s sein, bis dann im neuen Domizil am Ku’damm gearbeitet werden kann.

Peter Claus, kulturradio

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