Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin; © Molina Visuals
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Konzerthaus Berlin - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Peter Ruzicka

Bewertung:

Mit dem Titel "Stimme der Natur" ist das herbstliche Konzert überschrieben, das am Freitagabend im Konzerthaus Berlin zu erleben war.

Wagners letzte komponierte 13 Töne tauchen in Peter Ruzickas "Elegie" aus dem Nebel der Zeit, verschwimmen, tauchen wieder unter. Glocken läuten. Das ist alles sehr nett, aber auch erwartbar, gekonnt gespielt vom RSB und umsichtig geleitet vom Komponisten.

Aus dem Nebel der Zeit wurde auch die nur in Skizzen überlieferte 4. Sinfonie von George Enescu gehoben, fertig komponiert von Pascal Bentoiu. Man spürt im ersten Satz die Bedrohungen und Verstrickungen um 1935. Ein Netz zieht sich zu, spinnt sich ein, zerklüftete Brucknersche Melodien ziehen durch das Dickicht. Ich blieb etwas ratlos, unberührt.

Sehr schön war die Schwebe zwischen Marsch und Tanz im zweiten Satz: Was davon ist wirklich Enescu? Wenig überzeugend dagegen waren die Naturlaute und der triumphale Schluss des dritten Satzes. Es gibt so viele tatsächlich vollständig komponierte Stücke, die es zu spielen lohnen würde – dieses bleibt eher unbefriedigend.

Max Bruchs 1. Violinkonzert ist schmissig und süffig, im zentralen langsamen Teil auch sehr innig und berührend. Gefährlich an den Rand und über ihn hinweg in den Bereich des Sentimentalen geriet das Stück durch den jungen Ray Chen. Er spielt es mit vollem Einsatz, stürzt sich geradezu hinein. Sein in jedem Ton einzeln angewabbeltes Dauervibrato gleicht allerdings gefährlich einer alternden Sopranistin. Dadurch gerät der langsame Satz ins Schnulzige. Eine eingehende Stil-Schulung wäre angebracht, umwerfend Geige spielen kann Chen ja immerhin.

Clemens Goldberg, kulturradio

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