Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam; © Anne Doktor
Anne Doktor
Bild: Anne Doktor

Philharmonie Berlin - Musikfest Berlin: Concertgebouw Orchestra Amsterdam und Manfred Honeck

Bewertung:

Ein im ersten Teil eindrucksvolles und magisches Eröffnungskonzert des Musikfestes Berlin.

Weberns Streichquartett aus dem Jahr 1909 ist ein Mikrokosmos, der in kleinsten Gesten, Ausbrüchen und Ausleuchtungen einen Blick auf den Makrokosmos freigibt. In der von ihm geschaffenen Bearbeitung für Orchester wird dies noch viel plastischer und nachvollziehbarer erlebbar. Manfred Honeck schafft mit dem Concertgebouw eine faszinierende Balance aus körperlich plastischem Klang und analytischer Interpretation, die auch die emotionalen Gehalte nicht vernachlässigt.

Schillerndste Farben

Die "Ansichtskartentexte" Peter Altenbergs lieferten Alban Berg wunderbare Vorlagen für die verschlüsselte Symbolik der Natur. Erlösung in "Schnee, der in Wasserlachen tropft". Das Orchester zeichnet die schillerndsten Farben und Szenerien, Anett Fritsch trifft genau den Jugendstil-Ton und bezaubert in höchster Expressivität.

Bruckners 3. Sinfonie könnte im Kontext "Ritual und Religion" des Musikfestes zum Gottesdienst werden. Da ist Manfred Honeck vor. Sehr modern, sehr zugespitzt das Unvereinbare vorstellend, liegt der 1. Satz mehr als zertrümmertes Weltbild, denn als göttliche Vision vor uns. Dann wieder sind  manche Momente im 2. Satz so schlicht und innig, unvergleichlich die tänzerischen Einsprengsel im 3. und im Finalsatz. Fast schmerzhaft sind die Anläufe zum Triumph in diesem Finale, keineswegs affirmativ.

Das Concertgebouw könnte sich glücklich schätzen, Honeck als neuen Chef nach der auch künstlerisch sehr unbefriedigenden Phase Daniele Gatti zu gewinnen.

Clemens Goldberg, kulturradio

Weitere Rezensionen

Gemäldegalerie am Abend; © dpa/Schoening Berlin
dpa/Schoening Berlin

Gemäldegalerie - "Notturno"

Kammermusik im Dialog mit Räumen und Exponaten: Gestern Abend startete die Kammermusikreihe "Notturno" des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bereits in die neunte Saison.

Download (mp3, 4 MB)
Bewertung: