Musikfest Berlin: Münchner Philharmoniker und Valery Gergi; © Mutesouvenir | Kai Bienert
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Philharmonie Berlin - Musikfest Berlin: Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Valery Gergiev

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Das Musikfest Berlin präsentiert in diesem Jahr anlässlich des 100. Geburtstages von Bernd Alois Zimmermann zentrale Werke des Komponisten. Gestern kam dessen "Ekklesiastische Aktion" zur Aufführung.

Die Texte des Predigers Salomo ("Ecclesiastes") sind voller Pessimismus gegenüber der Natur des Menschen und seiner Fähigkeit, gut zu sein. Diese Texte und der ebenso pessimistische "Großinquisitor" Dostojewskis bilden die Grundlage für die „Ekklesiastische Aktion“ Bernd Alois Zimmermanns, der sich drei Tage nach Vollendung das Leben nahm.

Die Theateranteile, also Gesten und Gänge auf der Bühne, waren fast nicht realisiert, vielleicht sind sie heute sogar kontraproduktiv. Aber die Posaunen des Gerichts auf den Emporen wirken eindringlich. Georg Nigl singt, schluchzt, seufzt und schreit das Leid der Welt. Das könnte auch peinlich sein, Nigl ist aber ungeheuerlich authentisch, so ist diese Rolle mehr als eine Rolle.

Sein Sprecherpendant, mit dem er – inspiriert von der griechischen Tragödie – ein Echo-Duo bildet, ist nicht ganz auf dieser Höhe (Michael Rotschopf). Josef Bierbichler als Inquisitor ist dagegen eine ideale Besetzung. In seiner Alltagskleidung sitzt er behäbig auf der Bühne und verkörpert so die Biederkeit der Herrschenden, die keinen Heiland brauchen können.

Der Orchesterpart ist trocken, kommentierend bis antithetisch zum griechischen Pathos. Mustergültig verwirklicht von den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev.

Während die ungefähren Stromstöße der schon legendären zitternden Hände Gergievs bei Zimmermann sehr gut wirkten, war dann doch die rhythmische Präzision in Bruckners 9. im ersten Satz nicht immer optimal. Auch spürte man nicht wirklich ein lang angelegtes architektonisches Konzept.

Dagegen weiß Gergiev, wie man Emotionen induziert. Das abschließende Adagio führt letztlich nach innen, wo es keine letzten Antworten auf die Fragen nach Gott gibt, sondern eher die Einsamkeit, an der Zimmermann zerbrach.

Clemens Goldberg, kulturradio

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