Sakari Oramo; © HarrisonParrott/Benjamin Ealovega
Benjamin Ealovega
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Philharmonie Berlin - Berliner Philharmoniker unter Sakari Oramo

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Brett Dean ist nicht nur einer der gefagtesten Komponisten unserer Zeit, sondern auch ehemaliger Bratscher der Philharmoniker. In einer europäischen Erstaufführung brachten nun die Berliner Philharmoniker und der Cellist Alban Gerhardt Deans Cellokonzert zu Gehör.

Noch immer sind moderne Cellokonzerte jenseits von Schostakowitsch und Dutilleux kaum im Konzert-Repertoire vertreten. Im "Jahr des Cellos" könnte sich das ändern. Brett Deans neues Cellokonzert ist unglaublich gut hörbar, verständlich und perfekt im Ausgleich zwischen Cello und Orchester komponiert. Jeder, wirklich jeder Ton ist nachvollziehbar zu hören.

Dabei ist das Werk keineswegs oberflächlich gefällig oder postmodernes Plingpling. Von höchster Höhe des Cellos mit wunderbaren naturhaften Vogellauten weitet sich der Horizont zum inneren Gefühl und zu starken Emotionen bis zur Wut und Gewalt, um dann wieder in einem raunenden Klangfeld zu enden. Das könnte schrecklich banal sein, ist es aber nicht!

Das Orchester fungiert überwiegend als Erweiterung des Klang- und Emotionsraumes des Cellos, dann wieder auch als Außenwelt, auf die es zu reagieren gilt. Das Cellokonzert ist für Alban Gerhardt komponiert und ihm auf den Leib geschrieben. Die zarten und zerbrechlichen Teile ebenso wie die rasant schnellen, großstädtisch flirrenden Partien.

Oft spielt ein Lächeln um die Mundwinkel, wenn Gerhardt mal wieder eine irre schwierige Passage mit dem Orchester gemeistert hat. Gerhardt liebt diese Herausforderungen spürbar. Sakari Oramo hat zudem den großen Überblick und die Detailversessenheit, die diese Interpretation zu einem Erlebnis machten.

Dagegen verblassten sogar Grieg und Sibelius. In Griegs Peer-Gynt-Suite schrammte Oramo gefährlich an die Klippe des Pathos, dann bekam man aber doch wundersam die Kurve zur Innerlichkeit, die es hier zu beleuchten galt.

Ob Sibelius' Lemminkäinen-Suite jenseits des allbekannten "Schwan von Tuonela" wirklich so der große Renner ist, blieb bei mir als Fragezeichen zurück. Auch hier wurde die Gefahr des Protzens mit eigenem Klang nicht immer gebannt.

Clemens Goldberg, kulturradio

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