Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt mit Sara Jakubiak (Marietta) und Ensemble; Iko Freese / drama-berlin.de
Iko Freese / drama-berlin.de
Bild: Iko Freese / drama-berlin.de Download (mp3, 4 MB)

Komische Oper Berlin - "Die tote Stadt"

Bewertung:

Die Komische Oper Berlin hat einen neuen Generalmusikdirektor: Ainārs Rubiķis. Am Sonntag gab er dort nun sein Debüt mit Korngolds "Die tote Stadt".

Den Welterfolg der Oper "Die tote Stadt" (1920) ahnt man bis heute, immerhin. Denn dieser ulkige Zwitter aus symbolistischem Traumspiel und Freudianischer Commedia dell’arte, versetzt mit Horrorfilm-Elementen, ist ein Unikat geblieben.

Berlin verbindet mit dem Werk eine besondere Geschichte, da von hier (1983 an der Deutschen Oper) die Wiederentdeckung ausging. Seitdem ist's kanonisch, woraus sich die Tatsache erklärt, dass Robert Carsen, einer der rundgerechnet fünf wichtigsten Opernregisseure der Gegenwart, es inszenieren wollte. Ich gestehe, dass ich jedes Mal voller Vorfreude in das Werk hineingehe, und fast jedes Mal ernüchtert von dannen wanke. War gestern auch so.

Bei Carsen muss man auf Geniestreiche gefasst sein, wie seine Münchner "Ariadne" (die eine Weile an der Deutschen Oper zu sehen war) und seine Wiener "Platée" bewiesen. Diese Aufführung gehört nicht dazu. Wir blicken in ein muffiges Schlafzimmer der Fünfzigerjahre, atmosphärisch schön stickig. Den Beweis der Albtraumkulisse des morbiden Brügge indes, um dessen Portrait es Korngold zugleich ging, bleibt Carsen schuldig. Darin gerade lag das Verdienst der legendären Götz-Friedrich-Produktion vor 35 Jahren. Carsens Kammerspiel-Version zieht sich bedenklich.

Von Sarah Jakubiaks "Heliane" (letzte Saison in Berlin) war ich begeistert. Die Rolle der Marietta aber – samt des legendären "Glück, das mir verblieb" – ist viel textintensiver, redseliger, salonhafter. Genau diese Eigenschaften bedient Jakubiak unzureichend. Man versteht kaum ein Wort. Auch Aleš Briscein, als er an der Komischen Oper den Lensky sang, hatte mich hingerissen. Als Paul klingt er milchbärtig, aber ohne Schmelz. Alle, auch Günter Papendell in den beiden Bariton-Rollen, haben ihre liebe Müh', sich gegen die Siedegrade des Orchesters zu behaupten.

Der neue GMD Ainārs Rubiķis haut so aufputschend und aufpeitschend auf den Kasten ein, dass alles Modrige und Schwüle daraus entweicht. Moderner wird's nicht dadurch, nur lauter. Das Orchester der Komischen Oper, sonst eine Truppe voll großartigem Elan, habe ich lange nicht so dumpf und trocken gehört. Dies ist ein sehr schwacher Einstand, ja mehr noch: Zeichen eines offenkundigen Missgriffs (auch wenn man die zurückliegende "Nase" von Schostakowitsch einrechnet). Als reine Erfüllungskraft wurde Rubiķis von Intendant Barrie Kosky bestellt. Doch genau dafür scheint er zu leichtgewichtig.

Das Ganze ist eine Stadttheater-Inszenierung de luxe, die in Karlsruhe, Heidelberg oder Chemnitz entzücken könnte. Hinter dem guten Ruf und den hohen Erwartungen, wie man sie sich an der Komischen Oper erwirtschaftet hat, bleibt der Abend weit zurück.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Weitere Rezensionen

Deutsche Oper Berlin: Les contes d’Hoffmann mit Alex Esposito; © Bettina Stöß
Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin - "Les contes d’Hoffmann"

Ungebrochen ist der Erfolg von Jaques Offenbachs Oper. Derzeit ist das Spätwerk des Komponisten in Berlin zu erleben, denn der französische Opernregisseur Laurent Pelly hat seine internationale Erfolgsproduktion "Les contes d'Hoffmann" an die Deutsche Oper gebracht. Am Samstag war die Premiere.

Download (mp3, 4 MB)
Bewertung:
Staatsoper: Hippolyte et Aricie, hier: Elsa Dreisig (Diane), Reinoud Van Mechelen (Hippolyte) und Anna Prohaska (Aricie); © Karl und Monika Forster
Karl und Monika Forster

Staatsoper Unter den Linden - "Hippolyte et Aricie"

Ein Höhepunkt der Barocktage in Berlin ist die Premiere einer großen Oper von Jean-Philippe Rameau in illustrer Starbesetzung: Anna Prohaska, Magdalena Kožená und Simon Rattle am Pult. Nicht zu vergessen: die Lichtinstallation und das Bühnenbild von Olafur Elliasson.

Download (mp3, 5 MB)
Bewertung:
Candide in der Komischen Oper Berlin (Bild: Monika Rittershaus)
Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin - "Candide"

Nach seinem Erfolg mit der "West Side Story" durfte man füglich glauben, dass Barrie Kosky einer der wenigen sei, der das problematische Hauptwerk Leonard Bernsteins, "Candide", hinbekommen könnte.

Download (mp3, 4 MB)
Bewertung: