Gemäldegalerie am Abend; © dpa/Schoening Berlin
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Gemäldegalerie - "Notturno"

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Kammermusik im Dialog mit Räumen und Exponaten: Gestern Abend startete die Kammermusikreihe "Notturno" des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bereits in die neunte Saison.

Die Idee eines nächtlichen Gangs durch die Gemäldegalerie mit kleinen Führungen und anschließender Kammermusik mit Musikern des DSO war offenbar sehr attraktiv: Die ca. 220 Stühle des Untergeschosses waren alle besetzt. Die punktuellen Führungen durch die neue Beckmann-Ausstellung oder zu den Alten Meistern waren allesamt sehr klug und anregend. Das könnte in der Gemäldegalerie ruhig öfter gemacht werden.

Anspielen gegen die Kälte

Die Bilder hatten allerdings keinen Bezug zum Programm des Abends: raffinierte bis anspruchsvolle Unterhaltungsmusik mit Divertimento-Charakter. Der Saal ist leider ziemlich kalt und die Beleuchtung frostig – dagegen mussten die Musiker ankommen. Für das sehr komplexe Programm war vermutlich wenig Zeit zum Proben, das spürte man schon hier und da. So war etwa Haydns Divertimento in der originellen Besetzung Oboe, Violine, Viola und Kontrabass durchaus noch steigerungsfähig in Witz und Kommunikation untereinander.

Insgesamt überzeugten die Bläser mehr als die Streicher, die bei Veress’ Memento“ für Viola und Bass intonatorisch grenzwertig und im Nocturne für Violine und Klavier mit etwas zu viel Vibrato ins Sentimentale gerieten. Die zurückhaltend und apart spielende Pianistin Emi Munakata vereinte sich mit Thomas Hecker (kecke Oboe) und Richard Obermayer (souveräne und hinreißend musikalische Klarinette).

Eine echte Entdeckung schließlich war Prokofjews Quintett aus dem Jahr 1924, noch ganz modernes Theater, trauriger Clown und Humor, dieses Mal auf hohem Niveau dargeboten.

Clemens Goldberg, kulturradio

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