Artemis Quartett © Nikolaj Lund
Nikolaj Lund
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Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal - Artemis Quartett

Bewertung:

"Das Artemis Quartett ist die Summe aller seiner Mitglieder. Auch der Ehemaligen und Zukünftigen", so fasst es Gregor Sigl zusammen. Gestern war das Quartett in zuletzt gewohnter Formation im Kammermusiksaal mit Werken von Haydn, Bartók und Brahms zu hören.

Das Artemis Quartett hat bereits zahlreiche, zum Teil schicksalsschwere Besetzungsänderungen durchlebt. Nun steht mit dem Weggang des zentralen Cellisten Eckart Runge und der erst kürzlich dazugekommenen 2. Geige Anthea Kreston doch ein entscheidender Umbruch an, nachdem man eigentlich nicht mehr von "Artemis" sprechen kann. Bis dahin spielen die vier Musiker geradezu befreit und souverän auf.

In Haydns "Reiterquartett" streben sie keine nahtlose Übereinstimmung oder Millisekunden-genaues Timing an sondern jene Unterhaltung von vier sehr unterschiedlichen Charakteren, die ihre Argumente und Emotionen ganz selbständig aber mit feinem Gehör für die Gesprächspartner vortragen. Das ist ungeheuer lebendig und vergnüglich zu hören.

Faszinierend

Vergleicht man die Interpretation von Bartóks viertem Quartett mit derjenigen der letzten Woche durch das Tetzlaff Quartett, so fällt auch hier eine sehr viel ungleichzeitigere und auf innere Verläufe ausgerichtete Darstellung auf. Bei Tetzlaffs hatte man den Eindruck, hier spiele überhaupt EIN Instrument, so hätte man bei Artemis dann doch manchmal eine etwas genauere Sicht auf die blockartigen, Gesteinsformationen ähnelnden Strukturen gewünscht. Das herrliche Cellosolo des Zentralsatzes ließ schmerzlich erahnen, welchen Verlust die beiden verbleibenden Mitglieder ersetzen müssen.

In Brahms 2. Streichquartett fielen durch die Verlustgeschichte vor allem die nostalgischen, fast zerbröckelnden Züge auf. Fast sinnbildlich für diesen Abschied. Aber auch faszinierend, packend. So spielen vielleicht Eheleute, die lange zusammen gelebt haben, aber jetzt im Frieden auseinander gehen. Sie haben sich allerdings erotisch auch nichts mehr neu zu sagen.

Clemens Goldberg, kulturradio

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