Admiralspalast: Flashdance © Morris Mac Matzen
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Admiralspalast - "Flashdance - Das Musical"

Bewertung:

1983, vor 35 Jahren also, hatte der Tanzfilm "Flashdance" seine Kinopremiere. "Flashdance" war einer der Kultfilme der 80er Jahre. Die Geschichte um eine junge Schweißerin, die eigentlich Tänzerin werden will, ist jetzt im Berliner Admiralspalast als Musical zu sehen.

Filmadaptionen im Musical sind in den letzten Jahren am Broadway 'eingerissen', was aber nicht unbedingt was Schlechtes ist. Schon Bühnen-Erfolge wie "La cage aux folles" oder "Sunset Boulevard" folgten dem Kinoerfolg entsprechender Filme. Gründe für den Trend liegen im Mangel an genuinen Musical-Stoffen. Und daran, dass die besten Komponisten in den Pop abwandern, um dort mehr Geld zu verdienen. 'Movicals' sind also der Versuch, hitträchtiges Material zu reimportieren. Hier sind es die Titel von Giorgio Moroder – dem Mann hinter Donna Summer – aus "Flashdance" von 1983.

Wichtigste Schlacht verloren

Bekannte Nummern wie "Gloria" und "What a feeling" sind super; kommen aber erst nach der Pause. Sie sind erkennbar an der Originalsprache, während der aufgepuffernde und drumrum staffierte Rest auf Deutsch gesungen wird – und leider musikalisch entbehrlich ist (Musik: Robbie Roth). Adaptionen dieser Art haben nur eine Chance: auf die Stärken des Theaters zu setzen. Konkurrieren kann man nicht mit Close-ups und Schnittgeschwindigkeit.

Mit dem Tanz aber schon. Darin, rundheraus, hätte die Chance dieser Produktion bestanden. Leider ist die Truppe mit zehn bis zwölf Tänzern zu schwach besetzt. Die Schrittfolgen lehnen sich an den Aerobic-Boom der 80er Jahre an; was ganz witzig wäre, aber nicht witzig gemeint ist. An Virtuosität werden die Choreographien von jeder heutigen Boyband locker überboten. Damit ist diese wichtigste Schlacht verloren.

Rollen-Spiegelung Berlin / Malmö

Der Star der Aufführung, Gitte Haenning, geht nach einer Rückenoperation hier am Stock. Sie ist immer noch eine sehr gute Sängerin – und eine noch bessere Jazz-Sängerin. Beziehungsweise wäre es, denn man hat sie mit der Sprechrolle der alten Tanzlehrerin betraut. Tanzen muss sie nicht. Singen darf sie nicht. Mit Stirnband und Kurzhaar-Mopp wird sie noch dazu kostümiert, als solle sie Klementine aus der "Ariel"-Werbung Konkurrenz machen. Man will am bekannten Namen partizipieren, tut aber zu wenig für die Sängerin. Das lässt bei mir, der ich die Künstlerin schätze, einen bitteren Nachgeschmack zurück.

Von der Handlung her will eine Schweißerin in Pittsburgh, der alten Stahl- und Ketchup-Metropole, eine Tanz-Aufnahmeprüfung bestehen. Derweil verdient sie sich ihr Geld als Nachtclub-Tänzerin. Parallel rutscht eine Mittäinzern halb in die Prostitution ab – aber bitteschön nur halb!, wir befinden uns schließlich in den sehr moralischen USA. – Das wäre nun also eine Mischung aus "Chorus Line", aber mit weniger Tänzern, "Chicago", aber nicht richtig bitchy, und "Dirty Dancing", aber nicht dirty genug. Eine Rumpf- und Schrumpfhandlung, die nie und nimmer einen Abend zusammenhält.

Admiralspalast: Flashdance © Morris Mac Matzen
Bild: MORRIS MAC MATZEN

"Flunschdance" ist auch keine Lösung

Eine maue Sache, nicht zuletzt weil die Textverständlichkeit miserabel ist. Bei Musical-Premieren trifft man nun wahrlich ein applausfreudiges Publikum an, das schon zu johlen beginnt, wenn das Licht angeht. Wer aber die Witze nicht richtig hören kann, kann auch nicht lachen. Die Sänger sind gut, obwohl 'gebeltet' wird. Damit gemeint ist das, ich kann mir nicht helfen: quengelige Baby-Plärren, welches im amerikanischen Musical seit 20 Jahren verbindlich geworden ist. Ein fataler Irrweg, denn die Sänger werden Abziehbilder und klingen alle gleich. Die LED-Show ist in Ordnung und das Elektro-Sextett hinter der Bühne auch. Trotzdem ist diese erste Produktion eines neuen Tourneeproduzenten namens 2Entertain Germany ein Schlag ins Wasser. Vielleicht braucht man noch etwas Anlaufzeit. Gewiss braucht man bessere Stücke. Ich war nicht etwa geflasht, als ich das Theater verließ. Sondern nur geflunscht. "Flunschdance" ist auch keine Lösung.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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