Deutsche Oper Berlin: Les contes d’Hoffmann mit Alex Esposito; © Bettina Stöß
Bettina Stöß
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Deutsche Oper Berlin - "Les contes d’Hoffmann"

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Ungebrochen ist der Erfolg von Jaques Offenbachs Oper. Derzeit ist das Spätwerk des Komponisten in Berlin zu erleben, denn der französische Opernregisseur Laurent Pelly hat seine internationale Erfolgsproduktion "Les contes d'Hoffmann" an die Deutsche Oper gebracht. Am Samstag war die Premiere.

Zunächst einmal: In meiner Zeit in Berlin war dies die 6. (in Worten: sechste) "Hoffmann"-Premiere (seit über 35 Jahren)! Nun können Sie sagen: Der Junge ist eben auch schon zu lang auf der Rolle. Stimmt. Der Punkt nur: Mit dieser Werk-Statistik könnte im Schauspiel kein einziges Stück mithalten, nicht mal "Hamlet" oder "Drei Schwestern". Die letzte "Hoffmann"-Produktion (von Barrie Kosky) liegt gerade mal drei Jahre zurück. Es sind dekadente Verhältnisse der Einfallslosigkeit.

Deutsche Oper Berlin: Les contes d’Hoffmann; © Bettina Stöß
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Noch dazu war die Produktion von Laurent Pelly, die 2005 in Lyon herauskam, zuvor in Lausanne, Barcelona, New York und San Francisco, sie reist anschließend nach Neapel. Berlin ist Aufwärmstation.

Die Dekorationen kamen in schlimmem Zustand an, welcher einen geregelten Probenverlauf kaum ermöglichte. Und schon stehen wir baff vor der Tatsache: Was für eine vorzügliche, in jeder Sekunde spannende, verlässlich gut besetzte Aufführung! Ich bin ratlos.

Das Konzept ist herkömmlich: Hoffmann wird von den Dämonen seiner Einbildungskraft verfolgt; darunter die drei Geliebten, die tragisch enden. Nichts Besonderes. Nur habe ich selten eine so saftig verwandlungsreiche Aufführung gesehen – meist bei laufendem Geschehen. Da klappt die Kammer der Antonia flugs in ein gigantisches Treppenhaus um. Die Puppe Olympia fliegt wie von Zauberhand durch die Luft.

Schlichte Zirkustricks! Aus denen aber beträchtlich Magie gezaubert wird. Super ausgeleuchtet auch. Ich kann ehrlich sagen: Es handelt sich um die bescheidenste und beste "Hoffmann"-Inszenierung meines Lebens.

Großartige Stimmen

Auch wegen der scheinbar glanzlosen Besetzung war ich skeptisch. Die rumänische Sopranistin Cristina Passaroiu hat vor allem in Wiesbaden für Furore gesorgt. Diesmal muss sie alle vier großen Frauenrollen singen. Was sie mit außergewöhnlicher Rollendifferenzierung und einer gesanglichen Physiognomie vermag – einem "Gesicht der Stimme"! –, wie man dies sonst kaum mehr findet. Großartig!

Alex Esposito in den vier Schurkenrollen ist ein schwarzgewichster, gelegentlich knarziger Bass-Bariton, der sich phantastisch entwickelt hat. Besser als jemals: Jörg Schörner als Spalanzani, nicht nur weil aussieht wie Gene Wilder in "Frankenstein Junior". Einzige, leichte Schwachstelle: Daniel Johansson in der Titelrolle (allerdings von der Regie vernachlässigt). Er singt zu heldisch – und ist parallel tatsächlich als Lohengrin angekündigt.

Passt allerdings zum großformatigen Dirigat von Enrique Mazzola. Er verweigert die Opéra-comique, um gänzlich auf Grand-opéra zu setzen. Das mag den Größenverhältnissen des Hauses entsprechen, ist aber trotzdem falsch. Führt anfangs zu schleppenden Tempi, im Gestus zu feierlich.

Dennoch: Ein Überraschungserfolg, der eigentlich nicht verwundern müsste. Die Inszenierung gehört zu den erfolgreichsten Reise-Produktionen der letzten 50 Jahre. Der Regisseur mit Team war da und hat nachgefrischt. Es ist: Opernmuseum – der Moderne.

Vielleicht findet man ja den Mut, aus Lyon auch einmal eine nicht nur schöne, sondern auch wichtige Offenbach-Produktion, z.B. "Le Roi Carotte" einzuladen. Immerhin: Sehr guter Abend!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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