Hans Otto Theater Potsdam: Pension Schöller © Thomas M. Jauk
Thomas M. Jauk
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Hans Otto Theater Potsdam - "Pension Schöller"

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"Pension Schöller" ist seit bald 130 Jahren ein Dauerbrenner des deutschsprachigen Theaters. In den letzten Jahren gab’s das Stück auch in Berlin und Brandenburg mehrfach, etwa traditionell an den Ku’damm Bühnen oder surrealistisch überhöht an der Berliner Volksbühne. Jetzt zeigt das Potsdamer Hans Otto Theater den Hit.

Geboten wird eine unentschieden zwischen Gestern und Heute lavierende Inszenierung. Neueste Mobil- und Dronen-Technik kommt zum Einsatz, doch die Erzählweise ist recht traditionell. Der Kern der Story wurde beibehalten: Herr Klapproth aus Kyritz an der Knatter wird in Berlin aufs Glatteis geführt. Sein Neffe gaukelt ihm vor, dass die in Wahrheit völlig harmlosen und durchschnittlichen Gäste der Pension Schöller allesamt geisteskrank seien, die Pension eine dezent geführte Nervenheilanstalt. Daraus erwächst Lug und Trug und Chaos. Der arme Klapproth droht am Ende, wenn ihn die Pensionsgäste in seinem trauten Heim in Kyritz besuchen, gar wirklich verrückt zu werden.

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Klamotte voller schenkelklopfendem Spaß

Gespielt wird eine gekürzte und bearbeitete Fassung, unglücklich bearbeitet. Denn das Lustspiel wird hier zur Klamotte degradiert. Es dominiert schenkelklopfender Spaß ohne tiefere Bedeutung, ganz anders als im Original, wo sehr wirkungsvoll die Wirklichkeit auf ihren Gehalt an Wahn abgeklopft wird. Das Stück ist seit 1890 so erfolgreich, weil es hintersinnig ist, doppelbödig. Davon ist hier nichts zu spüren.

Regisseur Jan Jochymski setzt viel zu sehr auf puren Klamauk – bis hin zum tatsächlichen Hose-Runterlassen und der gefühlt Tausendsten Mini-Parodie auf die Schlüsselszene des Spielfilm-Hits "Titanic", jene, in der Kate Winslet und Leonardo DiCaprio sozusagen übers Wasser fliegen. Und, schade, das hat man schon viel, viel besser gesehen. Besonders schade: In der Vorlage sind die Gäste der Pension Schöller ernst zu nehmende Charaktere. Nur ein Beispiel: Im Original wird klar, dass der Afrika-Abenteurer wirklich in Afrika war und tatsächlich Irres im übertragenen Sinn erlebt hat. Hier nun, in Potsdam, wird nichts als ein lächerlicher Pappkamerad vorgeführt, wird die Figur denunziert, indem der Eindruck erweckt wird, alle seine Geschichten seine nur erfunden, in Wahrheit habe er absolut nichts erlebt. So geht es allen Figuren: Von Echtheit, von Wahrhaftigkeit, keine Spur. Alle Handelnden werden als Irre serviert, überdreht, albern, verzerrt. Damit gibt es keine Fallhöhe und der Spaß ist drum sehr begrenzt, reduziert sich auf die Körpersprache, ein ewiges Stolpern und Stolzieren und Sich-Spreizen. Es ist so, wie wenn jemand einen Witz erzählt, ihn aber kaputt macht, weil er selbst schon lacht und lacht, bevor die Pointe wirken kann.

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Es fehlt an Gespür für den richtigen Rhythmus

Auffallendster Regie-Einfall: Einsatz von Musik. Ein Pianist ist immer dabei, am Keyboard oder am Flügel. Denken wir an die Song-Dramen eines Erik Gedeon oder die Abende eines Marthalers oder von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht, ist klar, wie raffiniert und pointiert Musik für Stimmungen, Atmosphäre und Witz sorgen kann. Das gelingt hier nicht. Denn geboten wird kaum mehr als ein Soundteppich, Geklimper, das die Akteure anheizt, das sie treibt, auf Tempo drückt. Das ist partiell lustig. Komisch ist es nicht.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben das Problem, dass die Pointen nicht wirklich sitzen, was an der Regie liegt. Das Tempo stimmt nicht. Es fehlt an musikalisch reifem Rhythmus und Tempo. Da sind ja die Pausen entscheidend. Witz braucht mathematische Genauigkeit im Umgang mit der Zeit, dem Sprechfluss, dem geschickten Wechsel von Ruhe und Rastlosigkeit. Regisseur Jan Jochymski zeigt hier nicht, dass er diese hohe Kunst beherrscht. Bei ihm knallt’s unentwegt. Knallen allein und auf Dauer kann nur verpuffen.

Wer einen Abend erleben möchte, bei dem das Wechselspiel von Wahn und Wirklichkeit übers Lachen Gedanken auf den Weg schickt, wird enttäuscht. Wer mal knapp zwei Stunden nur Lustiges und nur Albernes, puren, schenkelklopfenden Spaß, haben möchte, fühlt sich sicher gut bedient.    

Peter Claus, kulturradio

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