Franz Welser-Möst © Julia Wesely
Julia Wesely
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Konzerthaus Berlin - Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst

Bewertung:

Mit der zehntägigen Hommage an die Wiener Philharmoniker ehrt das Konzerthaus Berlin erstmals ein Orchester. Denn die "Wiener" sind dem Konzerthaus schon seit langem verbunden. Ein Orchester mit Zukunft?

Noch immer sieht man  nur drei Frauen unter alle den Männern der Wiener Philharmoniker, die viel Korpsgeist und Tradition ausstrahlen. Individuelle Rollen, sogar bei den Bläsern, sind nicht vorgesehen. Brahms ist ja eigentlich in der DNA des Orchesters (meinen die Musiker und viele Hörer zumindest), da muss ein Dirigent schon Einsatz wagen, um dieses Orchester aus der Komfort-Zone herauszuholen. Franz Welser-Möst ist dies auf keinen Fall gelungen, er ordnet und beschwingt zu schwebendem Schönklang, von interpretatorischen Einfällen oder Sichtweisen keine Spur.

Schlechte Tradition

Im Doppelkonzert sind zwei Musiker vom ersten Pult angetreten, Volkhard Steude und Peter Somodari. Sie verstehen sich gut und verbreiten sämig süffigen Klang. Von der Grundidee des Stückes, die Darstellung von Streit und Versöhnung zwischen Brahms und seinem Geiger-Freund Joseph Joachim, ist nichts zu bemerken. Man ist sich von vorneherein einig, das Stück einfach "schön" zu spielen. Das ist leider schlechte Tradition.

Spät aufgewacht

Auch in der 2. Sinfonie will es nicht anders werden. Natürlich trifft der schöne Klang das durchweg sonnige Stück, aber auch in dieser Schönheit wünscht man sich mehr Differenzierung, auch mal Fragen und Antworten, Schattierungen, vor allem: mal die kleinen Stillen auskosten, einmal etwas wagen, was aus der Routine führt.

Ist es Zufall, dass so viele dieser Musiker so griesgrämig schauen und so unbewegt spielen? Erst im Finale wacht das Orchester plötzlich zu hoch energetischem Spiel auf. Etwas spät.

Als Zugabe Strauss' "Rosen aus dem Süden", den Ton macht dem Orchester kaum jemand nach. Aber reicht das für die Zukunft?

Clemens Goldberg, kulturradio

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