Schlosspark Theater Berlin: Monsieur Claude und seine Töchter © DERDEHMEL/Urbschat
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Schlosspark Theater Berlin - "Monsieur Claude und seine Töchter"

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Der französische Spielfilm "Monsieur Claude und seine Töchter" war weltweit ein Hit. Millionen sind ins Kino geströmt, auch in Deutschland. Kein Wunder, dass es eine Fortsetzung geben wird. Teil zwei soll Anfang nächsten Jahres in den Kinos laufen. Aber es gibt schon jetzt die Chance, Claude & Co. zu begegnen – im Theater, in Berlin, im Schlosspark Theater.

Von der großen Leinwand auf die kleine Bühne – das klappt oft nicht sonderlich gut, kann eine Bühne doch kaum so üppige Bilder bieten wie das Kino. Hier allerdings wird das erst gar nicht versucht – und grad deshalb ist die Umsetzung verblüffend gut und wirkungsvoll. Tatsächlich ist diese Bühnenfassung sogar wirkungsvoller als der Spielfilm aus dem Jahr 2014, denn die Theaterversion ist schlanker, zügiger und geschmackvoller

Raffiniert komische Story

Die Story wurde etwas gekürzt, es wurden Gewichtungen verändert, aber die Hauptsache ist geblieben: der Kampf von Monsieur Claude gegen die eigenen Dämonen, gegen den latent in ihm schlummernden Rassismus. Der bricht vollends aus ihm heraus, als die jüngste Tochter ihren Zukünftigen anschleppt. Ihre drei älteren Schwestern haben je schon einen Mann – einen Juden, einen Moslem und einen Chinesen. Die Jüngste hat nun einen Katholiken gewählt, der allerdings ist Schwarz-Afrikaner. Nicht nur Claude, der Papa, findet, dass das zu weit geht, auch die bunte Multikulti-Kinder-und-Schwiegersöhne-Truppe tritt erstmal alles andere als tolerant auf.

Das zielt, wie der Film, raffiniert komisch gegen jedwede Form von Vorurteilen, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit – und trifft mit Schlagkraft und Herz.

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Der Witz beleuchtet auch Düsteres

Den Reiz der Inszenierung macht als erstes die überaus intelligente, feinsinnige Regie von Philip Tiedemann aus. Er setzt nicht auf Klamauk, er setzt auf Geist. Er zeigt zudem klar: die hier erzählte Story ist ein Märchen, eines von denen, die gut enden, denn hier soll Hoffnung auf Vernunft und Menschlichkeit in die Welt gebracht werden. Doch Tiedemann zeigt auch das Harte, das Düstere, das Brutale von Intoleranz jedweder Art, egal von wem, egal aus welchem Grund.

Das die Haltung. Dazu kommt der Stil – und der ist vom Feinsten. Luftige Vorhänge, gelegentliche Bildprojektionen, kluge Licht- und Musiksetzung genügen, um trefflich die verschiedenen Orte und Situationen aufleuchten zu lassen. Wichtig ist dabei das Stichwort Musik, Musik im übertragenen Sinn: Regisseur Tiedemann hat ein musikalisch ausgefeiltes Konzert der lauten Gas und des leisen Witzes, der verhaltenen Momente und des Nachdenkens arrangiert. Er weiß, wie wichtig ein Innehalten sein kann, und er weiß, dass wahre Komik immer aus Tragischem erwächst. Und er umschifft die Schwächen, die das Stück hat – im zweiten Teil drängt es doch arg Richtung Kitsch – mit Eleganz.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler dürfen alle glänzen. Jede und jeder – selbst in den kleinsten Rollen – arbeitet pointiert, mit feinen Mitteln, dem Stück dienend, nicht der eigenen Eitelkeit. So entstehen facettenreiche Charakterminiaturen, wird man als Zuschauer zu Identifikation und Streit eingeladen, selbst dann, wenn es kalauert, was auch vorkommt.

Angeführt wird das Ensemble von einer Ikone des West-Berliner Theaters, Brigitte Grothum, und einer Ikone des Ost-Berliner Theaters, Peter Bause. Er ist Monsieur Claude, sie die Gattin Marie. Das passt herrlich zu dieser mitreißenden Inszenierung, spiegelt doch auch ihr Zusammenspiel, welche Chancen sich ergeben, wenn Menschen unterschiedlichster kultureller Prägung miteinander kreativ sind.

Die Inszenierung begeistert, weil hier schlichter Menschlichkeit ein wunderbares Fest geboten wird – und das einfallsreich, effektvoll, elegant.      

Peter Claus, kulturradio

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