Vladimir Jurowski © Simon Pauly
Simon Pauly
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Philharmonie Berlin - Weihnachtskonzert mit dem RSB unter Vladimir Jurowski

Bewertung:

Beim Weihnachtskonzert des RSB hatte sich Vladimir Jurwoski wieder einmal ein anspruchsvolles, allerdings auch überlanges Programm ausgedacht: der Heiland kommt nicht einfach so zu uns!

In den ersten 70 Minuten wurde vor allem klar, dass der Mensch in seiner sündigen und verworfenen Art nur auf eine Gnade hoffen kann, ohne göttlichen Beistand geht das nicht. Am meisten trat dies in Bachs Kantate zum 1. Weihnachtstag "Christen ätzet diesen Tag" zutage, bei der viel vom Satan und der bösen Schlange die Rede war. Auch in Zemlinskys und Arvo Pärts Psalmen wurde erst einmal eindringlich um Beistand gerufen.

Sehr beachtlich war die Leistung der Berliner Singakademie, die von Zemlinsky über Bach bis zu Honeggers Weihnachtskantate die verschiedensten Stilniveaus sicher beherrschte, sehr sauber und engagiert bei der Sache war. Bein einem so langen Programm gehen dann manche Details auch mal nicht so gut. Wie schwer doch die Streicherbegleitung des Psalms 121 von Pärt ist, wie lange man das eigentlich einstudieren müsste! Auch Andreas Scholl traf zwar überwiegend, aber nicht durchgängig den richtigen Ton des Stückes

Bewundernswert der Berliner Mädchenchor

Generell war die Bachkantate sehr schön tänzerisch und leichtfüßig umgesetzt, litt aber an der nicht überragenden Qualität von Olga Pasichnyk und Christopher Purves, dieses Duo war zu träge und nicht immer synchron, auch da wohl zu wenig Zeit zum Einstudieren.

In der zweiten Hälfte dann Lutoslawskis Bearbeitungen von Weihnachtsliedern hätten es auch fünf statt zehn getan. Bewundernswert der Berliner Mädchenchor, der die schwierigen polnischen Texte sehr sicher beherrschte. Auch hier war Olga Pasichnyk kein großer Pluspunkt

Honeggers Cantate de Noel beginnt nochmals mit der tiefen Not, kompositorisch viel eindrucksvoller als das folgende Weihnachtsidyll. Immerhin sehr interessant, wie verschiedene Weihnachtslieder mühelos übereinander gelegt werden können. Ein bisschen Kitsch zu Weihnachten gehört auch durchaus mal dazu, und himmlisch singende Knaben (Staats- und Domchor Berlin) ganz sicher auch!

Clemens Goldberg, kulturradio

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