Teodor Currentzis mit dem Orchester musicAeterna
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Philharmonie Berlin - musicAeterna und Teodor Currentzis

Bewertung:

Seit Jahren sorgt der Dirigent Teodor Currentzis mit seinen Orchestra musicAeterna für Furore. Zum 2. Mal in dieser Saison war Currentzis in der Philharmonie Berlin zu erleben. Diesmal ausschließlich mit Gustav Mahler.

Teodor Currentzis ist merklich und sichtbar von Musik erfüllt bis besessen. Singt eine Sängerin neben ihm, singt er stumm und mit die Phrase formenden Händen mit. Kein Ton ist ihm nebensächlich, jedes Detail wird gefeilt, geschliffen und oft ins Extrem gesteigert.

Ein normales Tempo gibt es eigentlich nicht, hier ist auch in dieser Hinsicht ein Modelleur am Werk. Sein Orchester folgt ihm oft auch mit Körpereinsatz, in der zweiten Programmhälfte stehend. Das ist beeindruckend, führt aber auch zu einem Verlust der Natürlichkeit, des Flusses, der wirklichen Anrührung.

Wie ein früher Stummfilm

Gut war das in Mahlers "Lieder aus des Knaben Wunderhorn" zu erleben. Florian Boesch und Anna Lucia Richte nahmen die Detailversessenheit genau auf. Als es dann aber in "Wo die schönen Trompeten blasen" zum Liebesstelldichein vor dem Abschied in den Krieg kommt, wird die Langsamkeit und das Flüstern zum Manierismus, der Aufschrei des Abschiedes hat etwas von frühen Stummfilmen. Weniger ist manchmal mehr.

Künstlich überspannte Interpretation

Das galt auch für die 4. Sinfonie Mahlers, die ja von den himmlischen Freuden handelt. Was war das für eine Farbenvielfalt und Innigkeit, vieles hörte man vielleicht zum ersten Mal. Und doch blieb da ein Rest von "zu sehr gemacht". Schon die ersten Phrasen waren so gezirkelt und gedrechselt, dass man sich doch auch mal nach einer "normalen" Melodie sehnte. Eine stupende, sehr intensiv musizierte, aber eben auch oft künstlich überspannte Interpretation.

Clemens Goldberg, kulturradio

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