"15. Original Roncalli Weihnachtscircus im Tempodrom" © dpa/Thomas Bartilla/Geisler-Fotopres
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Tempodrom - "Roncalli Weihnachtscircus"

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Seit über 40 Jahren kümmert sich Bernhard Paul mit seinem Circus Roncalli darum, die Circus-Tradition aufrecht zu erhalten. Regelmäßig in der Weihnachtszeit können Circusfans ins Berliner Tempodrom gehen und dort den Roncalli Weihnachtscircus erleben.

Weihnachtsengel gibt es keine, aber tanzende Weihnachtsbäume, ein Mal zumnindest. – Das weihnachtliche Flair hält sich in Grenzen. Die Show – es ist weniger traditioneller Zirkus als eine Varieté-Show – ist effektorientiert, orientiert an US-amerikanischen Vorbildern: viel Tanz, sehr laute Musik, nahezu unentwegte Animation des Publikums zu rhythmischem Klatschen. Sehr knallig der Abend.

Eine Geschichte wird dabei nicht erzählt. Nummer folgt auf Nummer. Zwei exzellente Clowns füllen die Pausen, dazu sechs Tänzerinnen. Bei deren Auftritten war es am Premierenabend interessant, dass viele im Publikum lieber beobachtet haben, wie die folgenden Artistinnen und Artisten ihre Geräte aufgebaut haben. Das war oft spannender als die Tänze.

Zirkus ohne Tiere

Spannend: Roncalli hat erstmals – wohl aus Gründen des Tierschutzes – ein Programm ohne Tiere vorgestellt. Und das funktioniert. Wir sind ja in Berlin sehr verwöhnt, was gute Artistik angeht – durch die Staatliche Artistenschule, den Wintergarten, das Chamäleon und andere Angebote. Da muss Großes geboten werden. Das wird geboten.

Drei Höhepunkte seien genannt: der Musik-Clown Christirrin aus Mexiko, ein begnadeter Spaßmacher, der auch am Trapez brilliert, der herrlich mit dem Publikum interagiert und nicht nur die Kinder zu Beifallsstürmen hingerissen hat. Das aus der Berliner Artistenschule hervorgegangene Duo Twin Spin, zwei junge Männer, die mit Diabolos die Welt auf den Kopf stellen, und der junge Chinese Kong Haitao, der oben unter der Kuppel, auf etwa einem Dutzend gestapelter Stühle waghalsige Akrobatik vorführt. Da bleibt einem der Atem stocken.

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Kaum Poesie, dafür artistische Weltklasse

Die Österreicher Bernhard Paul und André Heller haben Roncalli 1975 gegründet. Damals war es eine Sensation. Denn sie haben Artistik und Poesie, Show und Zirkus verblüffend neu miteinander verbunden. In diesem Program  haben sie der Poesie, dem Zauber, weitestgehend abgeschworen. Dafür setzen sie auf den Reiz von Neuem. Verblüffend ist dabei etwa das Zusammenspiel eines computergestuerten Semaphores mit einem Artisten. Ein Semaphor ist ein Mast. Der steht normalerweise fest. Hier wird er durch Computertechnik in luftiger Höhe in jede nur erdenkliche Position gebracht. Und der Artist, der Ungar Laszlo Simet, hebt dort tatsächlich die Schwerkraft auf. Neu, begeisternd, so was hat man wohl tatsächlich noch nie gesehen.

Das artistische Niveau überezugt also absolut. Kinder und Erwachsene geraten in Verzückung. Die Show als solche – trotz guten Orchesters mit exzellenter Sängerin – mutet dagegen eher routiniert an. Sei's drum: Wer Weltklasse-Artistik genießen möchte, wird bestens bedient.

Peter Claus, kulturradio

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