Berliner Volksbühne: The FIL on the hill Konzert und Standup © Daniel Porsdorf / Volksbühne Berlin
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Volksbühne - "the FIL on the hill"

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Er ist Comedian mit Plüschhai-Handpuppe, Comiczeichner und Musiker, der Urberliner Ex-Punk FIL. Seit einiger Zeit ist FIL aber quasi solo auf den Bühnen des Landes unterwegs - und jetzt an der Volksbühne Berlin. Dort präsentiert er sein aktuelles Programm "the FIL on the hill".

52 Jahre alt ist Philip Tägert, genannt "Fil", und gilt als Bühnen-Performer für mindestens so erfolgreich wie als Comic-Zeichner von "Didi & Stulle" (im Zitty etc.). Leichter Bier- und Nikotin-Dusel überm Parkett gemahnt an die Zielgruppen der Ex-Punks mit rausgewachsenem Irokesen-Schnitt und Ex-Spontis, deren Utopie noch nicht leckgeschlagen ist.

"Weise" ist keine Option

Der Titel "Fil on the Hill", Reimwust und Assonanzenschinderei auf i, verheißt nicht wirklich ein Programm. Als alternder Mann, von dem die Welt wenig wissen will, bekennt sich Fil zum "TransAger". Darf also wieder jung tun, setzt eine billige Perücke falschrum auf und klaut sich rappenderweise die Lizenz zusammen, trotz Haarausfall auf jüngere Liebhaberinnen zu stehen.

Er ist mehr oder weniger gegen alles. Gegen die Verniedlichungssucht des "Späti am Schlesi". Gegen großkotzigen Campino und Kollegah, egal wie. Auf "weise" zu machen, ist keine Option mehr; weil man damit dummerweise früher hätte anfangen müssen.

Dringend anschauen

Dazwischen gibt's Reinhard Mey-Parodien, Schwarzfahrer-Hymnen oder Simon & Garfunkel-Coverversionen zur Klampfe. Im Grunde Kabarett-Karikaturen. Genial der Song zu "Sodom & Foodora" darüber, wie man einen Abend lang einmal nicht Geschichte schreiben will; sondern sich ganz gemütlich im Netz eine Mahlzeit ordert ("Baby lass uns was zusammen bestell'n").

Der Saal brüllt. Der Mann sieht dabei aus wie Didi & Stulle höchstpersönlich: Großporige Haut, verquollene Augen, große Klappe. Was bestrickend ist an diesem Abend: eine gewisse Leckmich-Haltung bei heiterer Gemütslage. Altmodisch, selbstverliebt, hoffnungslos. Rate dringend zu.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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