Robin Ticciati © Monica Menez
Bild: Monica Menez

Das Konzertjahr 2018 - Jahresrückblick Musik

Unser Musikkritiker Clemens Goldberg schaut zurück auf das Konzertjahr 2018: Was waren die Höhepunkte, was die Tiefpunkte?

Das Rundfunkorchester Berlin und das Deutsche Sinfonieorchester haben mit Ihren neuen Chefs eine sehr glückliche Auswahl getroffen. Vladimir Jurowski beim RSB entwirft sehr anspruchsvolle, intelligente Programme (auch wenn sie manchmal zur Überlänge und Überforderung neigen). Das RSB hat hier an Vielseitigkeit gewonnen, auf der sowieso schon sehr hohen Basis der letzten Jahre. Robin Ticciati geht beim DSO einen anderen Weg, sein zuerst sehr dem natürlichen Fluss und der Klangschönheit verpflichteter Stil gewinnt zunehmend an Komplexität und Tiefgang.

Kirill Petrenko © Stephan Rabold
Bild: Stephan Rabold

Die Berliner Philharmoniker

Bei den Berliner Philharmonikern wird es Zeit, dass der neue Chef Kirill Petrenko endlich einmal länger da ist, so dass man nicht alle Beurteilungen auf vereinzelte, seltene Konzerte stützen muss. Warten wir ab, ob diese Partner wirklich zueinander passen!

Christoph Eschenbach; Foto: Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Christoph Eschenbach

Beim Konzerthaus setzt man auf Erfahrung und eine Übergangslösung mit Christoph Eschenbach. Sicher, er ist ein hervorragender Dirigent, aber es fällt schon auf, dass man sich kaum noch traut, einmal auf einen jungen, hochbegabten Dirigenten zu setzen. In Brandenburg hofft man inständig auf weitere Jahre mit dem über 80jührigen Peter Gülke, in Frankfurt Oder setzt man auf Jörg-Peter Weigle, der es nach seiner Hochschullaufbahn noch einmal wissen will.

Nikolaisaal Potsdam

Mit Andrea Palents Abschied als Leiterin des Nikolaisaals und der Potsdamer Festspiele geht eine Ära zu Ende. Hier ist wirklich Dank und Anerkennung für hohes Niveau, immer neue Ideen und Leidenschaft für die Musik geboten. In Zukunft gehen beide Institutionen mit getrennter Leitung (Michael Dühn und Dorothee Oberlinger) diesen Weg weiter - sie treten wahrlich in große Fußstapfen!

Jack Quartet, © Beowulf Sheehan
Bild: Beowulf Sheehan

Quartette

Sehr auffällig war im letzten Jahr die Blüte der jungen Streichquartette, immer neue drängen auf die große Bühne, etwa das Vision Streichquartett, das alles auswendig spielt, oder das Jack Quartet, das hinreißend zeitgenössische Musik spielt. Hier wäre noch mehr Mut beim Publikum zu wünschen, es gibt kaum etwas Spannenderes als einen Quartettabend!

Wünsche für 2019

Schließlich noch ein Wunsch für das nächste Jahr. Immer wieder werden vom Publikum durch hysterisches Klatschen mehrere Zugaben geradezu gefordert. Diese Zugaben sind in den meisten Fällen nicht gut auf das vorher gespielte Programm abgestimmt, oft machen sie auch den Eindruck und die Intensität des eigentlichen Programms zunichte. Hier wäre auch von den "zugebenden" Künstlern viel mehr Fantasie und Feingefühl erforderlich, um Zugaben sinnvoll zu machen. Es muss nicht immer Bach sein!

Clemens Goldberg,kulturradio

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