Gutes Wedding schlechtes Wedding © prime time theater
Foto: Janina Heppner; Bühnenfotos: Martin Chmilecki; Grafik: Ivonne Schulze
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Prime Time Theater - "Gutes Wedding, schlechtes Wedding" – Die 15-Jahre-Jubiläumsshow

Bewertung:

Theatervorstellungen fangen normalerweise zur vollen oder halben Stunde an, doch nicht im Prime Time Theater. Die Show "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding" beginnt zur Fernseh-Primetime um 20:15 Uhr.

Alle sechs Wochen kommt eine neue Folge heraus – und das seit nun schon 15 Jahren. 150 Produktionen sind bisher im Prime Time Theater gelaufen, 120 davon im Rahmen der Serie "Gutes Wedding, schlechtes Wedding" – jetzt gibt es eine Jubiläumsshow, ein Nummernprogramm mit Szenen, die von Zuschauer geschrieben wurden.

Schräge Themenmischung

Es geht um altes Bier, Internet-Junkies, das Dschungelcamp und einen Dönerladen, der eine Aushilfe sucht – eine ziemlich schräge Themenmischung, und die Prime Timer versuchen nicht einmal, sie in eine Rahmenhandlung zu packen. Zusammengehalten wird die Show allein durch das altbekannte Personal. Wie fast immer in "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding" treten der Postbote Kalle auf, der Dönerbudenbesitzer Ahmed, die Kiezschlampe Sabrina und die Rapper Orkan und Taifun. Und alle werden in verrückte Situationen geworfen.

Ahmed zum Beispiel versucht, altes Bier zum Alleinstellungsmerkmal seines Döner-Ladens zu machen – immerhin hat er noch ein paar Flaschen aus dem Jahr 1979 unter der Theke. Das schmeckt so ekelhaft, dass es schon wieder hip sein könnte. Doch bevor der Verkauf überhaupt beginnen kann, taucht das sogenannte Bier-SEK auf. Ein Lederjacken-Sonderermittler hechtet in den Laden und droht, alle zu verhaften. In der Show werden Krimis parodiert und jede Menge Fernsehsoaps, alles ist absurd, witzig, überdreht, und das Publikum lacht, dass sich die Balken biegen.

Satirisch, schrill oder albern

In "GWSW" werden oft Themen aufgegriffen, die für den Kiez wichtig sind (der Clash der Kulturen, Arbeitslosigkeit, Gentrifizierung) aber nicht im Betroffenheitston "seriöser" Dokumentationen, sondern zur Kenntlichkeit verzerrt – satirisch, schrill oder auch einfach nur albern.

In der Jubiläumsshow ist alles noch absurder. Da darf der Theaterleiter Oliver Tautorat erst als dicke Türkenmama auftreten, dann als Burlesque-Tänzerin (was bei seiner Leibesfülle hochkomisch ist). Zudem spielt er den Postboten Kalle und den lispelnden Südamerikaner Manolo – Rollen über Rollen – wie auch die anderen Akteure. Die Prime Timer sind Verwandlungskünstler. Sie tragen abenteuerliche Perücken und ahmen treffsicher Slangs und Dialekte nach. Und Oliver Tautorat ist die Seele des Ganzen. Er hat das Prime Time Theater gemeinsam mit Constanze Behrends vor 15 Jahren gegründet. Sie ist vor drei Jahren ausgestiegen, doch er steht immer noch auf der Bühne, führt Regie und begrüßt die Zuschauer. Oft kann man ihn vor der Vorstellung auch an der Kasse treffen und mit ihm reden. Dass das Theater für ihn ein Herzensprojekt ist, ist deutlich zu spüren.

Keine aufwändigen Bühnenbilder

Und es ist ja auch wirklich ein Wunder, dass das Prime Time Theater 15 Jahre durchgehalten hat, die meisten ohne öffentliche Förderung. Angefangen hat es mit 35 Klappstühlen und in einem Miniraum, heute verfügt das Theater über einen Saal mit 280 Plätzen, einer guten Tonanlage und einer Videowand. Es müssen keine aufwändigen Bühnenbilder gebaut werden, meist reichen Projektionen auf die Rückwand, um die rasch wechselnden Handlungsorte zu charakterisieren.

Das GWSW-Erfolgsgeheimnis ist aber die Wiedererkennbarkeit der Themen und Figuren. Da wird ein ziemlich wilder und witziger Wedding gezeigt und das Publikum reist von weither an, um ihn zu sehen. Tautorat macht vor jeder Show ein Warm-up, bei dem er fragt, woher die Zuschauer kommen. Da wurden bei der Jubiläumspremiere viele Berliner Bezirke genannt, aber auch Dessau, Ulm und Frankfurt/Oder. Es gibt ein großes Stammpublikum – und das ist das Rückgrat des Prime Time Theaters. "Gutes Wedding, schlechtes Wedding" ist eine Marke geworden, die völlig unabhängig von den Themen der einzelnen Vorstellungen Aufmerksamkeit generiert. Den Titelsong können viele Besucher laut mitsingen: "Mitte ist schitte, Prenzlberg is Petting, Real Sex ist only Wedding" – dem ist nichts hinzuzufügen.

Oliver Kranz, kulturradio

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