Alan Gilbert dirigiert die New York Philharmonic; © Chris Lee
Chris Lee
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Philharmonie Berlin - Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Alan Gilbert

Bewertung:

Lisa Batiashvili zählt zu den erfolgreichsten Geigerinnen weltweit. Nun ist sie in drei Konzerten in der Berliner Philharmonie zu erleben. Sie spielt Prokofjevs Zweites Violinkonzert - zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Alan Gilbert.

Metakosmos, Schwarze Löcher, Ökosystem, Chaos und Schönheit - so lauten Konnotationen zur Komposition von Anna Thorvaldsdottir. In den besten Momenten klingt es nach Natur ihrer Heimat Island, in den schlechten handelt es sich um hübsche Klänge à la Raumschiff Enterprise. Dass solche wenig beanspruchende und eingängig gestrickte Musik beim Publikum auf Begeisterung stößt, ist nicht unbedingt ein Ausweis von Qualität. Prokofievs 2. Violinkonzert entstand 1935 kurz vor der Übersiedlung ins stalinistische Russland

Lisa Batiashvili; Foto: © Samy Hart/DG
| Bild: Samy Hart/DG

Dass diese Art Mischung aus Folklore und schönster Melodien problemlos mit der dort herrschenden "Ästhetik" in Einklang hätte stehen können heißt nicht, dass es unter der scheinbar so positiven Oberfläche nicht auch Brüche und Unstimmigkeiten, Brodeln und Gefährdung gäbe. Davon ist in der im Zusammenspiel perfekten Interpretation von Lisa Batiashvili und den Philharmonikern nichts zu spüren. Da passt kein Stäubchen dazwischen. Ist der zweite Satz mit seiner berühmten langen  Melodie über sparsamster Begleitung wirklich süffig schön? oder nicht viel eher zerbrechlich?

Amüsant und lohnend

Zwiespältig ist ganz sicher auch Strauss "Sinfonia domestica". Ist es die Schilderung der häuslichen Ereignisse bei den Straussens oder ein üppiges Zeugnis geradezu irrwitziger orchestraler Einfälle und Virtuosität?

Letztere wurde von den Philharmonikern unter der ungeheuer energetischen und präzisen Leitung von Alan Gilbert ganz sicher bedient. Es bleibt aber doch der Eindruck, dass selbst die Musiker die vielen Wucherungen und Längen des Stücks nicht nur amüsant und lohnend fanden.

Clemens Goldberg, kulturradio

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