Daniel Barenboim am Klavier; © Silvia Lelli
Daniel Barenboim am Klavier | Bild: Silvia Lelli

Philharmonie Berlin - Silvesterkonzert mit den Berliner Philharmonikern und Daniel Barenboim

Bewertung:

Mozarts "Krönungskonzert" ist ein raffiniertes, frohes, prächtiges, aber auch sehr intelligentes Klavierkonzert. Die Philharmoniker waren offenbar bestens vorbereitet, alle Feinheiten wurden plastisch realisiert.

Kein wirklicher Dialog

Wenn da nicht Daniel Barenboim auch noch den Solisten gegeben hätte. Durch den Flügel ohne Deckel war sowieso die Differenzierung stark eingeschränkt. Man hörte aber auch keinerlei wirklichen Dialog, immer nur säuselnde und flüsternde Antworten oder Vorgaben. Dieses Säuseln verdeckte geschickt die vielen Noten, die im Ungefähren verblieben. Leider nicht die erste Erfahrung dieser Art. 

Berückende Farben und Soli

Im zweiten Teil dann Ravel. Die "Rapsodie espagnole" ist zwar ein eher hochsommerliches Stück, aber wer träumt nicht auch gern mal an Silvester vom Idealbild des Südens. Wie schwierig z. B. doch ein "rhythme la"“, ein müder Rhythmus in der Habanera zu realisieren ist! Immer wieder drohten die herrlichen Details in Einzelmomente zu verfallen, aber die Farben und Soli waren schon berückend. Das Gleiche konnte man auch für "Alborada del gracioso" und die "Pavane pour une infante défunte" sagen.

Herrlicher Sog

Für den "Bolero" braucht dieses Orchester keinen Dirigenten, und Daniel Barenboim griff auch erst schauspielerisch in der Schlussphase aktiv ein. Das eigentlich ja sehr einfach gemachte Stück gewann hier einen herrlichen Sog und war Anlass zu berückenden Soli.

Als Zugabe dann Bizets "Carmen-Suite". Was wird das wohl für ein Jahr mit Carmens Schicksal und dem in den Kampf ziehenden Torero!

Clemens Goldberg, kulturradio

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