Thomas Hampson; Foto: Gregor Baron
Gregor Baron
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Pierre Boulez Saal - Liederabend mit Thomas Hampson & Wolfram Rieger

Bewertung:

Er ist ein weltweit gefragter Opernstar und zugleich einer der profiliertesten Lied-Baritone: der Amerikaner Thomas Hampson. Gestern eröffnete er gemeinsam mit seinem langjährigen Klavierpartner Wolfram Rieger die Schubert-Woche.

Schon die intelligente Liedauswahl voller feiner innerer Beziehungen weist Thomas Hampson als Interpreten der Sonderklasse aus. So zog sich die Frage nach weltlichem Erfolg, göttlicher Gnade, Geschenk oder Vergeblichkeit durch das ganze Programm. Mustergültig ist schon Hamspons Diktion. Hinzu kommt noch das Durchleben der beschreibenden Lieder wie in der fast 20minütige Ballade "Der Taucher". Hampson weiß sein Publikum zu bannen und mitzunehmen.

Das wäre allerdings nur die eine Hälfte eines sehr anregenden Liederabends, der ganz Schubert gewidmet ist. Hinzu kommt die noble Kunst des Pianisten Wolfram Rieger. Wie feinfühlig, nie sich in den Vordergrund spielend, wie miterlebend dieser Künstler sich einbringt! Die Kombination der eher naturhaften Stimme ohne manierierte Künstelei und des hoch sensiblen, feinen Klavierspiels ist nahezu ideal, auch wenn man sich auch andere Lösungen bei den Liedern vorstellen könnte.

Nicht verschwiegen sei, dass die Stimme von Thomas Hampson nicht mehr ungefährdet ist, dass er oft sehr aufpassen muss, dass im leisen Bereich die Töne nicht mehr ganz sicher sitzen. Aber das spielt bei so viel künstlerischer Energie, so viel Wahrhaftigkeit nur eine untergeordnete Rolle. In Thomas Hampson verbinden sich eine fast jungenhafte Neugierde und Natürlichkeit mit einem hohen Kunstwillen - eine seltene Verbindung, die hoffentlich noch lange erhalten bleibt

Clemens Goldberg, kulturradio

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