Renaissance-Theater Berlin:"Vier Stern Stunden"
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Renaisssance Theater - "Vier Stern Stunden" von Daniel Glattauer

Bewertung:

Menschen im Hotel – da sind ungewöhnliche Begegnungen, manchmal gar turbulente Verwicklungen programmiert.

Im Theaterstück "Vier Stern Stunden" ist genau das der Ausgangspunkt – die Begegnungen von Menschen in einer Luxusherberge.

Anders als zur Uraufführung im Herbst in Wien wird in Berlin mehr als vor allem Spaß geboten. Im Renaissance Theater überwiegen die leisen Töne, wird aus der Komödie eine Melanchomödie. Es gibt weniger zu Lachen, mehr zu Schmunzeln und noch mehr zum Nachdenken

Klug gebautes Szenenkaleidoskop

Eine ausgefeilte Geschichte wird nicht erzählt. Zu erleben ist ein Kaleidoskop von Szenen – in einem Hotel, das vom Ruhm vergangener Jahre zählt und die Kundschaft mit "Sternstunden" beglückt, Abenden, an denen berühmte Gäste von einer bemühten Moderatorin ausgefragt werden.

Wir, das Publikum des Renaissance-Theaters, sind zunächst die Besucher eines solchen Abends – und erleben, wie ein Schnösel von angejahrtem Schriftsteller die hochgestochene Moderatoren übelst klein macht. Dann geht’s hinter die Kulissen. Und die Moderatorin, der Schriftsteller und dessen Jahrzehnte jüngere Freundin und der Hoteldirektor geraten aneinander, um schließlich miteinander zu versuchen, etwas klüger durchs Leben zu gehen.

Die Situationen und Dialoge beleuchten vor allem zwei Dinge: die Hohlheit eines aufgeplusterten, nicht nach Inhalten, sondern Äußerlichkeiten gehenden Kulturbetriebs – und die Dummheit eines Lebens, das jede Einzelne und jeder Einzelne statt auch an Gemeinschaftswerten, ausschließlich am Eigennutz orientiert. Sehr aufschlussreich.

Die Schauspieler tragen den Abend

Der österreichische Erfolgsautor Daniel Glattauer hat den vier Akteuren eine kluge Vorlage geliefert. Und die nutzen sie geschickt. Vor allem Annemarie Brüntjen als junge Frau, die mehr in den neuen Medien zuhause ist als in der Realität, und Rufus Beck als seiner selbst überdrüssiger Künstler gelingt die Balance zwischen Schmunzeln und Innehalten sehr gut. Da hält man manchmal vor Überraschung den Atem an. Denn sie lassen nicht einfach oberflächlich unterschiedliche Lebenshaltungen aufeinanderprallen, sondern zeigen differenziert Menschen, die – im Grunde – vor allem eines nicht haben: Haltung.

Was sie nicht ausbügeln können ist ein kleines Manko des Stückes: es hat kein emotionales Zentrum und macht es uns als Theaterbesucher darum nicht leicht, es braucht schon einiges an Lust und Nachdenken, um reinzukommen. Gelingt einem das, gibt einem der Abend so Einiges mit auf den Nachhauseweg.

Feinsinnige Inszenierung

Regisseur Torsten Fischer – großartig unterstützt vom Bühnenbild – das ist toll – Regisseur Torsten Fischer setzt auf die Zwischentöne. Damit entspricht er nicht den Erwartungen an traditionelles Boulevard-Theater. Gut so. Und gut auch: Er baut auf Hintersinnigkeit. Themen wie Gleichberechtigung, Toleranz, Fremdenfeindlichkeit werden hier nicht mit dem Holzhammer angegangen, sondern mit dem Florett. Gute Unterhaltung mit Anspruch.

Peter Claus, kulturradio

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