Robin Ticciati © Monica Menez
Monica Menez
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Deutsches Symphonieorchester Berlin - Philharmonie Berlin: Festival "Brahms-Perspektiven"

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Noch mehr Johannes Brahms, als sowieso schon landauf, landab in den Konzertprogrammen gespielt wird?

Ja, sagen Robin Ticciati und das Deutsche Symphonie-Orchester – und legen ein Mini-Festival auf, "Brahms-Perspektiven" heißt es und dauert eine Woche, es ist das zentrale Projekt des DSO in dieser Saison. Und weil es natürlich nicht besonders originell ist, zum x-Mal die Symphonien oder das Violinkonzert anzubieten, hat man sich ein feines Programm ausgedacht: Jede der vier Symphonie wird kombiniert mit Werken anderer Komponisten, die auf Brahms zu- oder von ihm wegführen, die also wichtig für ihn waren – oder die er selbst beeinflusst hat. Zum Eröffnungskonzert am Sonntag in der Philharmonie sind das Heinrich Schütz, Protestant wie Brahms, und Robert Schumann. Der Rias Kammerchor setzt den Ton mit der hinreißend homogen und sauber gesungenen fünfstimmigen Schütz-Vertonung von Psalm 118. Auch wenn beide Komponisten natürlich viel mehr trennt als verbindet: Wie Schütz die am Markusdom in Venedig erlernte Tradition mit Offenheit gegenüber Neuem verknüpft, das erinnert stark an Brahms.

"Unverbunden"

Schumann war natürlich für Brahms schicksalhaft, im Guten wie im Schlechten: Den 20-Jährigen in seinem Artikel "Neue Bahnen" als eine Art Erlöserfigur zu preisen, ebnete Brahms viele Wege, war aber auch fürchterliche Bürde. Von Schumann erklingt in der Philharmonie das Klavierkonzert, Inbegriff der Romantik und eines der schönsten Kompositionen dieser Gattung überhaupt. Der Solist muss sich hier in völliger Subjektivität verströmen, doch wenn er nicht zugleich markant bleibt, ins Pauschale abgleitet, ist alles verloren.

Eine Aufgabe, an der Igor Levit an diesem Abend scheitert: Mal zieht er sich in die Innerlichkeit zurück, die aber nur vordergründig romantisch ist und aufgesetzt wirkt, mal trumpft er mit großer Geste auf, aber beides bleibt unverbunden nebeneinander stehen, statt überzeugend ineinander zu fließen. Robin Ticciati wiederum lässt das Orchester springteufelhaft aufspielen, als wolle er Einspruch einlegen: Halt, Schumann war nicht der verzärtelte Typ, für den wir ihn halten! Das ist erst mal ein interessanter Ansatz, aber Solist und Orchester kochen je ihre eigenen Süppchen, es wird kein Ganzes daraus, und überall flattern die losen Enden.

Gelungener Auftakt

Radikaler Umschlag nach der Pause: Brahms 1. Symphonie – für die er nach Schumanns Invention 20 Jahre gebraucht hat – gelingt Musikern und Dirigent bravourös. Vom ersten schweren Grummeln der Pauke ist da eine Spannung im Saal, eine Aufmerksamkeit, die bis zum letzten Takt nicht mehr nachlässt. Ticciati lässt die vier Symphonien in unterschiedlicher Besetzungsstärke spielen – auch dies ein Mittel, Brahms neu zu beleuchten.

Die Erste erklingt in der kleinstmöglichen, der so genannten Meininger Besetzung: Welch Transparenz, welch Leuchtkraft! Das berühmte Alphornthema im Finalsatz schleicht sich völlig unaufdringlich ins musikalische Gewebe, um dann groß aufzublühen. Und hier spürt man auch, dass die These stimmen könnte, die im Programmheft aufgestellt wird: Dass Brahms Musik immer vom dem Gesang her gedacht ist – deshalb auch die Schütz-Motette zu Beginn. Was beim Schumann-Konzert noch fehlte, hier ist es: Eine Interpretation aus einem Guss, erhaben, bewegend und letztlich dann doch ein sehr gelungener Auftakt für dieses Mini-Festival.

Udo Badelt, kulturradio

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