"Die Zauberflöte" in der Staatsoper Unter den Linden
Monika Rittershaus
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Staatsoper Unter den Linden - "Die Zauberflöte"

Bewertung:

Die "Zauberflöte" - neu inszeniert.  Die Aufführung drohte jedoch im Buh-Sturm zeitweise zu kentern und unterzugehen. 

Dass die alte, behaltene Everding-Inszenierung demnächst als "Zauberflöte (alt)" im Programm ausgewiesen werden muss – weil parallel auch eine "Zauberflöte (neu)" existiert –, glaube ich nicht. Die Doppelung, vermutlich einzig dastehend in der Theatergeschichte, kreiert das Problem: Je besser beide Produktionen, desto schlimmer deklassieren sie einander. Premierenfolge: Ein tumultuarisches Pro und Contra, so dass etliche Takte nicht einmal zu hören waren. Die Aufführung drohte im Buh-Sturm zeitweise zu kentern und unterzugehen. Sagt das schon etwas über die Qualität? Nein, nur über die chemischen Kräfte, die hier freigesetzt werden.

Das Hauptmoment wird verfehlt

Regisseur Yuval Sharon betrachtet die "Zauberflöte", wie er im Booklet schreibt, "durch die Augen eines Kindes". Ich fand das eher vielversprechend, da man hoffte, dass der gordische Knoten des Werkes zerschlagen würde: Dass nämlich die "Zauberflöte" ganz simpel als Entführungsmelodram anfängt, um dann ganz schlimm in ein kompliziertes, freimaurerisches Initiationsritual überzugehen. Leider wird die Erwartung grausam enttäuscht.

Sharon denkt nur in Schlüsselreizen. Tamino und Pamina sind Marionetten, die an Drähten hängen (die Auftritte erfolgen meistens von oben!). Sie tragen quietschrote Plastikstulpen, in denen sie sich bewegen, als seien sie nach zu viel Punsch auf dem Mond gelandet. Die drei (Tölzer) Knaben sind in kopfumrundenden Pelzmützen kaum erkennbar. Also: eine Mixtur aus "South Park", Playmobil und der Augsburger Puppenkiste. Zieht sich endlos, weil fast ohne Entwicklung gedacht. Das Hauptmoment der "Zauberflöte", eben: Entwicklung, wird verfehlt.

Tonlos, angeheisert und wienernd

Als auffälligste Besetzung galt im Vorfeld der Schauspieler Florian Teichtmeister als Papageno. Natürlich irritiert, dass er – tonlos, angeheisert und wienernd – das Opernhafte der Rolle schuldig bleibt. Je länger, je mehr zahlt sich das aber aus. Wir wissen, dass diese Rolle bei der Uraufführung 1791 von Schikaneder selbst, einem Schauspieler, übernommen wurde.

Ich war erstaunt, wie gut sich die Schauspielerstimme mit den Sängern mischt (in den Duetten). Plötzlich merkt man, worin das Wiener Vorstadttheater hier besteht. Dass Teichtmeister am Ende Buhs einstreicht, ist eine Unverschämtheit des betreffenden Publikums. Höchstens die Verantwortlichen könnte man dafür zur Rechenschaft ziehen. Muss es aber nicht einmal.

Tamino mit viel Inbrunst und Hingabe

Anna Prohaska, bei ihrer vierten Premiere in Folge (!!), fiel kehlkopfbedingt aus. Ob derlei Besetzungspolitik noch Überlastung ist oder schon versuchte Menschenfresserei, wollen wir dahingestellt sein lassen. Serena Molinero singt Pamina stattdessen mit einer Papagena-Stimme – sehr leicht, spitzig, jugendlich. Tuuli Takala als Königin der Nacht klingt interessant damenhaft, schleppt nur ein bisschen und singt gelegentlich eine Spur zu tief. Kwangchul Youn, alter Staatsopern-Liebling, hat als Sarastro die Tiefe erstaunlicherweise nicht ganz. Grund, sich das musikalisch anzutun, ist vor allem Julian Prégardien. Weil er sein Rollen- und Staatsopern-Debüt als Tamino mit so viel Inbrunst und Hingabe kräht, dass es zu Herzen geht. (Außerdem mit der Textverständlichkeit eines Liedersängers.) Große Klasse.

Detailpusselig und zart dirigiert

Alondra de la Parra, gleichfalls eingesprungen, dirigiert detailpusselig und zart, aber etwas fleischlos und unangekränkelt von Originalklang-Bräuchen; leider auch munter an den Sängern vorbei, da sie nicht von der Oper kommt. Eine dennoch gute, richtige Einladung, wie ich meine. – Die Inszenierung, kurzum, ist ein Schuss in den Ofen. Sie anzusehen gibt es nur einen Grund: Die wird nicht alt.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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