Porträt des Geigers Daniel Lozakovich
Sergey Andreev
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Komische Oper - 3. Sinfoniekonzert: Orchester der Komischen Oper Berlin unter der Leitung von Ainārs Rubiķis

Bewertung:

Der 17jährige schwedische Geiger Daniel Lozakovich wird gerade heiß gehandelt. Wie so viele Musiker seiner Generation kennt er Null Lampenfieber und spielt technisch perfekt und klangschön. Dabei könnte er ruhig ab und zu mal den Powerton lockerer lassen, seine Geige ist auch wohl etwas übermäßig getunt. Sich selbst nach- und zuhören, das ist bei so viel Fähigkeiten natürlich noch zu lernen. Von dem, was in Beethovens Violinkonzert vor sich geht, hat er - wie ganz viele andere Geiger - leider nicht viel verstanden. Denn es dauert eigentlich bis zum langsamen Satz, bis das Orchester einmal nicht die Hauptrolle spielen wird.

Erst im Finale sollen in dieser Sinfonie mit Solovioline alle auf einer Zeitebene spielen. Ainars Rubikis hat einen guten Draht zum Orchester, arbeitet differenziert. Aber hier hätte er ruhig mal mehr Führungsrolle für das Orchester durchsetzen können. 

Zuvor gab es schwere, aber auch packende Kost, die Große Fuge Beethovens in Streichorchesterbearbeitung. Verständlicher wird das immer noch avantgardistisch wirkende Stück dadurch nicht, aber mächtiger. Ein tolles Orchestertraining, die schon für einen einzelnen Spieler irre schweren Sprünge und Zerklüftungen als Gruppe homogen hinzubekommen. Im Wesentichen gelang das sehr gut. 

Nach einer etwas übergewichtigen und sehr langen ersten Hälfte dann Respighis "Kirchenfenster". Überraschend, wie die zugrunde liegenden gregorianischen Choräle in wilde Farben und gar nicht besinnliche Verläufe eingebettet werden. Das Stück ist gerade für ein Opernorchester sehr geeignet und setzte einen interessanten Schlusspunkt unter ein anspruchsvolles Programm. Es macht neugierig auf die weitere Zusammenarbeit von Orchester und neuem Chef. 

Clemens Goldberg, kulturradio

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