Gorki Theater: Third Generation – Next Generation © Ute Langkafel/Maifoto
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Gorki Theater - "Third Generation – Next Generation"

Bewertung:

Vor zehn Jahren löste das Stück "Dritte Generation" von Yael Ronen und ihrem Ensemble aus Israelis, Deutschen und Palästinenser*innen zum Teil heftige Debatten aus. Am Samstag feierte eine Neufassung Premiere.

Mit "Dritte Generation" feierte die israelische Regisseurin Yael Ronen an der Berliner Schaubühne vor zehn Jahren ihren internationalen Durchbruch. Aus den persönlichen Erfahrungen deutscher, israelischer und palästinensischer Schauspieler der Enkel-Generation des Holocaust machte sie damals satirisch zugespitztes, kluges, beklemmendes Kabarett. Mit "Third Generation – Next Generation" möchte Ronen, so heißt es, das Stück nun weiterführen.

Eine leere Bühne, ein Stuhlkreis – und Niels Bormann, der sich als begriffstutziger Deutscher von Schuldgefühlen gekrümmt wortreich entschuldigt, dabei aber nur seinem Narzissmus und unterschwelligen Rassismus fröhnt. Das Setting des Abends ist identisch zur Inszenierung von 2009, nur zu den Greueltaten, für die Bormann Abbitte leistet, ist etwas Neues hinzugekommen: der NSU.

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Neuinszenierung oder ratloser Aufguss?

Zu Beginn mag man noch hoffen, die Regisseurin habe die alte Rahmenhandlung mit neuen Inhalten gefüllt. Auch die AfD im Bundestag hätte ein aktueller Diskussionspunkt sein können, wenn Deutsche, Israelis und Palästinenser über das "Nie wieder!" sprechen, das mit der Aufarbeitung des Holocaust ausgerufen wurde. Angekündigt war schließlich ein Abend über die neue Generation von zugezogenen Israelis und Arabern in Berlin, eine Erkundung ihres Verhältnisses zu sich und den Deutschen.

Doch zu sehen ist kaum mehr als eine Art "Reenactment" der alten Inszenierung. Orit Nahmias wiederholt ihren "Don’t Compare"-Monolog, in dem sie davor warnt, die Nazis mit den Israelis oder mit den Palästinensern zu vergleichen – es seien doch auf der Welt genug Genozide für alle da.

Und Lamis Ammar darf herausschreien, was damals schon von den palästinensischen Spielern angeprangert wurde: Araber seien in Deutschland die neuen Juden. Sogar der Song "Don’t stop sending us to Auschwitz" wird wieder gesungen, der die Faszination ganzer Schülergruppen für den Holocaust sarkastisch aufspießt.

Das alles sprüht auch nach zehn Jahren vor bösem Witz. Dass diese politische Inszenierung heute noch zündet, spricht für Ronens so einmaliger Mischung aus Humor und Härte, Gruppentherapie und Gesellschaftskritik. Es zeigt aber auch, wie sehr sich beim Thema Nahost-Konflikt die Fronten verhärtet haben: Hörten sich die Spieler damals zumindest noch zu, schalten die sechs zum alten Cast hinzugekommenen jungen Schauspielerinnen und -spieler jetzt auf Durchzug und beharren eiskalt auf ihrer Weltsicht. Die Zeit der Empathie ist vorbei.

Eine Neuinszenierung mag man "Third Generation – Next Generation" trotzdem kaum nennen, zu identisch sind die Texte, ist die Ästhetik zu "Dritte Generation". Allein der Auftritt von Dimitrij Schaad am Ende lässt ahnen, wie brisant der Abend hätte werden können. Schaad gibt vor, in Wirklichkeit Dieter Schmidt zu heißen – und seine Migrationsbiografie erfunden zu haben, um am Multikulti-Gorki-Theater zu reüssieren. Er habe sich damals dem Zeitgeist der Internationalität unterwerfen müssen. Doch jetzt, da die Willkommenskultur ins Gegenteil kippe, könne er endlich sagen, wie sehr er die Schnauze voll habe von diesen importierten Konflikten.

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Schwarz-Weiß-Kabarett

Mit diesem Monolog des bedenklich nach rechts rückenden Deutschen hätte man eine breite Schneise ins Heute schlagen und fragen können, was in diesem Land inzwischen wirklich schief läuft. Doch weil Schaad seinen Gorki-Kritiker gleich zum sandalentragenden Bausparer-Deppen macht, der die Kehrwoche, die Schwarzwaldklinik, Tupperdosen und die Deutschlandhymne liebt, bleibt der Abend dann doch beim schlichten Schwarz-Weiß-Kabarett stehen.

Wer "Dritte Generation" nicht gesehen hat, das Stück, das noch bis 2016 an der Schaubühne lief und mit Sprengkraft einen ganz neuen Stil des autobiografischen Inszenierens erfand, mag sich hier gut amüsieren. Für alle anderen bleibt es ein eher ratloser Aufguss des damaligen Erfolgsstücks.

Barbara Behrendt, kulturradio

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