Konzerthaus Berlin: Iván Fischer, Dirigent
Marco Borggreve
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Konzerthaus Berlin - "Absolut Strawinsky" mit Iván Fischer

Bewertung:

Es ist ein einmaliges Erlebnis, einen ganzen Konzertabend Stravinsky zu hören. In 30 Jahren blieb er sich doch sehr treu: technisch brilliant und ohne Herzenswärme, ein wenig etwas vom Puppen- und Taschenspieler.

Sein Concerto in D ist eine solche Fingerübung, sehr erwartbare Neoklassik mit den üblichen kleinen Hörfallen. Die Streicher des Concertgebouw spielen auf ihrem hohen Niveau, aber wie beim gesamten Abend hatte man den Eindruck, dass durch den gedrängten Festivalplan nicht die letzte Probenzeit zur Verfügung stand.

Die letzte Reserve, die dann zu rhythmischer Souveränität und mehr Wagnis der Interpretation führt, fehlten auch beim Capriccio für Klavier und Orchester. Emanual Ax spielte so cool und glatt und singend, wie es wohl auch Stravinsky tat. Zugaben sind gefährlich. Das völlig unpassende Chopin Nocturne ist sicher nicht die Stärke von Ax und kündete von einer Zeit, die noch intime Gefühle darstellen wollte.

Das Puppen-Ballett Petrushky ist einerseits noch aus der Zeit, in der Stravinsky Avantgarde war, andererseits ganz kongenial für ihn: Menschen an Puppendrähten. Das wurde auf hohem Niveau von Iván Fischer und dem Orchester gestaltet und dargeboten, manchmal etwas zu grell für den Saal, und auch hier nicht mit atmosphärischer Dichte, die erst durch mehr Vertrautheit mit dem Werk entstehen kann.

Als Zugabe die Zirkus-Polka, ein Elefant lernt tanzen. Mal wieder das Zugaben-Phänomen, es kann den Eindruck mindern. Denn der fehlende Humor und die fehlende Stummfilmdarstellung waren hier ganz deutlich zu fassen!

Clemens Goldberg, kulturradio

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