Szenenbild: Monsieur Pierre geht online
Bild: Michael Petersohn

Staatsoper Unter den Linden - "Monsieur Pierre geht online"

Bewertung:

Die französische Filmkomödie läuft jetzt – in Uraufführung - als deutsche Theaterfassung am Kurfürstendamm im Schillertheater. Wie im Spielfilm geht es auch auf der Bühne um durchaus gewichtige Themen: Altern, Einsamkeit, Lebenslügen.

Vor zwei Jahren hat die französische Filmkomödie "Monsieur Pierre geht online" dem als "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" berühmt gewordenen französischen Schauspieler Pierre Richard ein umjubeltes Comeback beschert.

Auf der Bühne der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater ist jetzt – in Uraufführung – eine deutsche Theaterfassung des Kino-Hits herausgekommen.

Wie im Spielfilm, geht es auch auf der Bühne um durchaus gewichtige Themen: Altern, Einsamkeit, Lebenslügen.

Monsieur Pierre, Mitte 70, ist seit zwei Jahren verwitwet. Er versinkt in Lethargie. Seine Tochter schickt ihm einen jungen Mann ins Haus, Alex, damit Pierre lernt, den Computer zu bedienen, ins internet zu gehen, zu surfen, einzukaufen oder sonstwas. Er nutzt es für sonstwas – zum Flirten auf einer Dating-Plattform. Dabei schwindelt er, macht sich rund vierzig Jahre jünger und eine junge Frau in Brüssel mit romantischem Gedankenaustausch im netz in sich verliebt. Was natürlich kompliziert wird – und komisch –, als die Lady ihn nach Brüssel einlädt.

Ein Pierre Richard ist nicht zu ersetzen

Ein Grundproblem für eine Theaterfassung des Kino-Hits: Ein Pierre Richard ist nicht ersetzbar. Er beherrscht die Kunst, Sentimentalität und Witz brillant auszubalancieren und charmanten Nichtigkeiten Tiefe zu verleihen, wie nur sehr wenige.

So stand Walter Plathe in der Rolle von vornherein auf verlorenem Posten. Er hat schöne Momente, wenn er – vor allem nach der Pause – auf die Pauke hauen kann. Da herrscht ein regelechtes Kuddelmuddel, sowas wie Familienwahn pur, denn Pierres Tochter und Enkelin spielen nicht unerhebliche Rollen. Das beschert Plathe schöne Momente. Im ersten Teil der Geschichte, bevor es nach Brüssel geht, überzeugt er weniger. Das Porträt des alten Mannes, dessen Granteln aus Trauer und Schmerz kommt, gelingt nur skizzenhaft.

Und auch die Akteure um ihn herum bieten – durchaus lustig – nette Typenskizzen. Erst Vanessa Rottenburg als Flora, die Frau in Brüssel, schafft es, Komik mit Tiefgang zu präsentieren. Sie hat das richtige Tempo und präsentiert die Pointen mit Knalleffekt. Ihr gehören die schönsten Szenen des Abends, in denen die bis zu ihrem Erscheinen allein heiter plätschernde Klamotte zur Komödie mit Tiefgang reift.

Erst spät wird der pure Spaß zur Komödie mit Hintersinn

Die französische Kino-Komödie ist sehr feingeistig, die Bühnenfassung zunächst recht hölzern. Bis zur Pause wird im Grunde nichts als Vorarbeit für das Eigentliche geleistet: das Aufeinanderprallen von Lüge und Wahrheit, Sehnsucht und Realität, wenn schlussendlich alle Figuren zusammenkommen. Der Handlungsfaden wird etabliert, dazu eine kleine Nebenhandlung um Philipps Enkelin und Alex, den Computer-Lehrer.

Nach der Pause nimmt’s dann Fahrt auf, weil die Tragik hinter dem Lachen aufblitzt, Walter Plathe dann leise und laute Momente schön austarieren darf, die Komik scharf wird und Vanessa Rottenburg für einigen Ernst im Witz sorgt.

Inszeniert hat Folke Braband, einer der besten deutschen Boulevard-Theater-Regisseure. Er zeichnet auch für die Bühnenfassung verantwortlich. Die hätte im ersten Teil straffer ausfallen müssen, stringenter.

Der Abend sieht sich an, als schleiche er sich im ersten Teil, bis zur Steigerung der Handlung in reinen Irrwitz, an eben diese Handlung und die Figuren erst einmal heran. Im zweiten Teil dann ist es gelungen, Turbulenz und Hintersinnigkeit zu vereinen. Aber es dauert doch etwas zu lang, ehe es dazu kommt.

Streckenweise lustig

Weithin wird beklagt, dass es zu viele Bühnenadaptionen von Romanen und Filmen gibt, die ans Original nicht heranreichen. Angesichts dieser Aufführung bleibt die Klage. Folke Braband hat 2001 in Berlin, an der Tribüne, die Latte selbst sehr hoch gelegt – mit seiner Adaption des Films "The Full Monty", "Ganz oder gar nicht", unter dem Titel "Ladies Night" – die herzeigreifend komische Tragödie um arbeitslose Männer, die sich als Stripper versuchen. Hochintelligent, brüllend komisch, zu Herzen gehend und den Geist ankurbelnd.

Solche herausragende Qualität gibt es bei Filmbearbeitungen für die Bühne nur sehr, sehr selten. Hier hat’s nicht ganz geklappt. Streckenweise lustig, aber nur ab und an wirklich komisch.

Peter Claus, kulturradio

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