Jörg Widmann, Komponist und Klarinettist, im Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal, Berlin; Foto: Carsten Kampf
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Philharmonie Berlin - Junge Deutsche Philharmonie mit Jörg Widmann

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Gleich dreifach war der Musiker Jörg Widmann gestern in der Berliner Philharmonie zu erleben: als Komponist, als Klarinettist und als Dirigent am Pult der Jungen Deutschen Philharmonie, die zu den besten Jugendorchestern Deutschlands gehört.

Jörg Widmann ist von Musik ergriffen und besessen. Ob als Interpret, Komponist oder Dirigent – der Funke springt offensichtlich über. Schon in der kleinen Mendelssohn-Berarbeitung einer Klarinettensonate bricht es einem fast das Herz, so schön spielt Widmann die schlichten Melodien und so innig wird er eingebettet von den phantastischen MusikerInnen der Jungen Deutschen Philharmonie. Dieses Orchester kann es spielend mit fast jedem Orchester aufnehmen, hier sitzen die zukünftigen MusikerInnen der großen Orchester.

Projektion von Göttlichkeit

Widmanns "Messe" kommt ohne Stimmen aus, sie ist inspiriert von Gedanken der Messe, aber fast ein Passionsoratorium ohne Worte. Widmann interessiert vor allem das Alleinsein des Menschen und seine Projektion von Göttlichkeit, die es eigentlich nicht bräuchte, ist der Mensch doch selbst göttlich, wenn er nur seine guten Seiten entdeckt und entwickelt. Besonders eindrücklich ist dies im langen einstimmigen Gesang des Orchesters spürbar. Das ist wirklich mutig, wie sich der Gesang im Orchester verteilt und höchste Schwierigkeit im Zusammenspiel ist es auch!

Überhaupt besticht das Werk durch die Orchestrierungskunst Widmanns. Manche Wirkung ist plakativ, aber niemals wird die Grenze zum Kitsch oder zur bloßen Behauptung überschritten, man spürt die Unbedingtheit der Emotion dieses Komponisten, die zugleich über das Werk hinweg auch strenge Kompositionstechnik aufweist. Das Orchester ist auch hier überwältigend engagiert und beeindruckend.

Toller Dirigent

Dass Widmann auch noch ein toller Dirigent ist – beweist Schumanns 2. Sinfonie. Sie klingt bei ihm sehr nach Mendelssohn, vibriert, swingt, spricht, tanzt. Wer hätte Schumann je so schwerelos erlebt! Im langsamen Satz herrscht knisternde Stille im Saal – so ergreifend ist er dargeboten. Nach dieser Interpretation wird des schwer werden, die Sinfonie nochmals unterhalb dieser Höhe zu hören.

Clemens Goldberg, kulturradio

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