Das Mandelring Quartett
Konzertdirektion Andrea Hampl; © Uwe Arens
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Kammermusiksaal der Philharmonie - Mandelring Quartett

Die Geschwister Nanette, Sebastian und Bernhard Schmidt gründeten das Mandelring Quartett 1983. Die Besetzung der Bratsche wechselte mehrmals, seit 2015 gehört Andreas Willwohl zu ihnen. Das Quartett gehört heute zu den renommiertesten Streichquartetten weltweit.

In Anton Weberns Streichquartettsatz aus dem Jahr 1905 spricht das morbide Wien-Gefühl des Fin de Siècle. Keinerlei Modernismus, nur zu schwerer süßer Wein. Das Mandelring Quartett spielt das süffig und dunkel im Abschluss-Programm des Wien-Zyklus. Die spätromantischen Melodien wehen auch noch fünf Jahre später in den avantgardistischen Sätzen des Streichquartetts. Hinzu tritt zerbrechliche Zärtlichkeit. Die Interpretation wird mit tiefer Stille am Schluss belohnt, auch wenn der Beifall immer noch von Verstörtheit des heutigen Publikums zeugt.

Bei Mozarts Dissonanzen-Quartett kommt die lange Kontrapunkt-Tradition Wiens zum Zuge. Mozart wollte den Mentor Haydn mit viel Kunst, aber auch gleichzeitiger Unterhaltsamkeit aus der Oper bezaubern. Er vermag es wie kein anderer, die Italianità seiner Opern mit Kunstfertigkeit zu verbinden. Das Quartett spielt an der Grenze der Geschwindigkeit.

Das Mandelring Quartett besticht mit großer Natürlichkeit, Lebendigkeit, harmonischem Fluss und Selbst-Verständlichkeit ohne Mätzchen. Allerdings war im a-Moll Quartett des Wahlwieners Brahms dann doch eine gewisse Atemlosigkeit spürbar, ich hätte mir manches mit mehr innerem Atem gewünscht, manches auch nicht gar so elegant und fließend, wiederständiger, eben doch mehr dem komplexen Charakter des Komponisten entsprechend.

Clemens Goldberg, kulturradio

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