Notos Quartett: Ungarian Treasures; Montage: rbb
Bild: RCA/SONY

Kammermusik - "Hungarian Treasures"

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Schatzsuche - Mit dem Klavierquartett op. 20 von Béla Bartók hebt das Notos Quartett auf seiner Debüt-CD "Hungarian Treasures" tatsächlich einen kammermusikalischen Schatz.

Im Alter von 17 Jahren hat Béla Bartók 1898 sein Klavierquartett komponiert und uraufgeführt, veröffentlicht wurde diese spätromantische Musik mit deutlichen Anklängen an Brahms und Schumann damals aber nicht.

"Unveröffentlicht" lautet bis heute der Eintrag in der Datenbank des Budapester Bartók-Archivs. Dort haben die jungen Musiker des Notos Quartetts diese Musik entdeckt und als Welterstaufnahme veröffentlicht. Ergänzt wird das mutige Album durch das Klavierquartett fis-Moll von Ernst von Dohnányi, als Zwischenspiel ist ein Intermezzo für Streichtrio von Zoltán Kodály zu hören.

Notos Quartett; © Uwe ArensNotos Quartett; © Uwe Arens

Ungewohnt

Wer den modernen Bartók des 20. Jahrhunderts im Ohr hat, wird bei diesem Frühwerk vielleicht von der spätromantischen Klangsprache irritiert sein. Doch warum sollte ein später als sachlich eingestufter Komponist nicht anfangs jung und schwärmerisch komponiert haben?

Umso schöner jedenfalls die Überraschung, die uns das Notos Quartett mit dieser Aufnahme einer beherzt zupackenden Musik bereitet. Eine Entdeckung, die sich lohnt, und vielleicht auch andere Ensembles motiviert, den jungen, unbekannten Bartók in das Repertoire aufzunehmen.

Unverfälscht

Béla Bartók und Ernst von Dohnányi, dessen Quartett in fis-Moll diese CD eröffnet, waren gut miteinander bekannt und als Komponisten hörbar an Johannes Brahms orientiert. In späteren Jahren habe die beiden Freunde dann durchaus unterschiedliche Entwicklungen genommen: Dohnányi hat seine überragenden pianistischen Fähigkeiten in den Vordergrund virtuoser, spätromantischer Kompositionen gestellt,  Bartók dagegen ist konsequent den Weg in die Moderne gegangen.

Auf dieser gelungenen CD sind beide Komponisten allerdings noch nah beieinander, 17 Jahre jung. Darin liegt der Charme dieser Musik, den das Notos Quartett unverfälscht zum Zuhörer transportiert.

Hans Ackermann, kulturradio

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