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Klavier - Kateryna Titova: "Quasi una fantasia"

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Gerade erst war im Kammermusiksaal die ukrainische Pianistin Kateryna Titova zu erleben. An diesem Abend hat sie das Programm ihrer neuen CD vorgestellt – "Quasi una fantasia" - mit Werken von der Klassik bis zur Spätromantik.

Wer ein bisschen bewandert ist in der klassischen Klaviermusik, bei dem wird es jetzt klingeln – bei so einem Titel dürfte ganz sicher ein weltbekanntes Klavierstück auf dieser CD zu hören sein, nämlich: die so genannte Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven.

Die Mondscheinsonate – eine weltbekannte "Fantasie"

Diese Sonate hat diesen Untertitel, der dieser CD den Obertitel gegeben hat – "Quasi una fantasia", also "wie eine Fantasie" – bedeutet, Beethoven hat sich da nicht an die damals übliche Sonatenhauptsatzform gehalten. Das war Beethovens prominentestes Beispiel für eine Fantasie (sieht man von seiner Chorfantasie ab).

Fantasien hatten schon Tradition seit dem 16. Jahrhundert, auch Bach hat Fantasien geschrieben, ebenso sein Sohn Carl Philipp Emanuel, von Mozart gibt es zwei sehr schöne Klavierfantasien in freier Form, später natürlich von Chopin – das war seit jeher eine schöne Möglichkeit, die konventionellen Musikformen aufzubrechen und etwas sehr Emotionales in Töne zu fassen. Beethoven soll ja in seiner Mondscheinsonate seine wie immer unerwiderte Liebe zu einer Klavierschülerin ausgebreitet haben – da wird die Fantasie durch die Liebe beflügelt…

Kateryna Titova ©Uwe Arens
Kateryna Titova ©Uwe ArensBild: ©Uwe Arens

Eine schöne Neuentdeckung: Vorisek

Neben den beiden Sonaten "Sonata quasi una fantasia" von Beethoven finden sich auf der CD: eine Fantasie von Felix Mendelssohn Bartholdy, auch die "Schottische Sonate" genannt, ein sehr schönes, packendes Stück.

Dann hat Kateryna Titova ein Stück ausgewählt, das zu ihren eigenen Wurzeln zurückführt, von dem Russen Alexander Skrjabin, wie oft bei Skrjabin nicht gerade leichte Kost, aber ein interessanter Beitrag zum Thema Fantasie, seine "Sonate – Fantasie" – und schließlich eine Sonata quasi una fantasia nicht von Beethoven, sondern von einem Zeitgenossen von ihm: von dem Böhmen Jan Vaclav Vorisek. Der war zwar zwanzig Jahre jünger als Beethoven, ist aber noch vor ihm gestorben, auch in Wien – das bedeutet, er wird seinen Beethoven gekannt haben, und da kommt dann auch vermutlich der Titel nicht von ungefähr.

Eine bemerkenswerte Musikauswahl

Kateryna Titova ist technisch wirklich gut, schnelle Läufe perlen ihr zum Beispiel nur so von den Fingern, sie spielt nicht brav, sie ist auch kein Punk, aber da steckt schon eine Menge ungebändigte Energie drin, und das steht dieser Musik sehr gut. Wirklich bemerkenswert ist die Musikauswahl – Beethoven kennt man, aber schon die Fantasie von Mendelssohn dürfte sehr viel weniger Hörerinnen und Hörer schon mal untergekommen sein, noch weniger die Sonaten-Fantasie von Skrjabin. Und eine echte Entdeckung ist die "Sonata quasi una fantasia" von Jan Vaclav Vorisek – die gefällt mir richtig gut und ist es schon allein wert, dass man sich diese CD anhört.

Anja Herzog, kulturradio

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