André Cluytens: The Complete Orchestral & Concerto Recordings; Montage: rbb
Bild: Erato/Warner

Orchester - André Cluytens: The Complete Orchestral & Concerto Recordings

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Auf 65 CDs sind sämtliche Orchester- und Konzertaufnahmen des Belgiers André Cluytens erschienen. Worin bestand die Bedeutung dieses Dirigenten?

Der belgische Dirigent André Cluytens (1905-1967) war einer der prägenden Schallplattendirigenten der Nachkriegszeit im Übergang von der Mono- zur Stereo-Ära. Und zwar einerseits für das französische Repertoire (hier mit zahllosen Referenzaufnahmen von Berlioz, Franck, Ravel, Massenet und Saint-Saëns, aber auch von Unbekannteren wie d'Indy, Pierné, Bondeville, Nigg und Laparra). Andererseits dadurch, dass Cluytens ab den späten Fünfzigerjahren den ersten Beethoven-Zyklus der Berliner Philharmoniker einspielte. Dieser Zyklus, hier mit enthalten, ist der einzige, der noch den dunklen Orchesterklang der Furtwängler-Zeit zeigt, bevor dieser von Karajan wegpoliert wurde.

Unabhängig und universalistisch

Cluytens galt als der französischste unter den belgischen Dirigenten – und als der belgischste unter den französischen. Das bedeutet, dass er wenig Neigung zu jener ätherischen, verwehenden Darstellung französischer Musik verspürte, die man in Frankreich selber findet (sogar noch bei Boulez). Cluytens war dramatisch zufassender, zuspitzender, außerdem ein Genauigkeitsfanatiker, was ihn repertoiremäßig unabhängig und universalistisch machte. Seinem französischen Kernrepertoire blieb er daneben dennoch treu.

"beinahe zu zurückhaltend"

Die Box vereint legendäre Aufnahmen wie die Schostakowitsch-Klavierkonzerte (mit dem Komponisten als Solist), Beethoven-Konzerte mit Solomon, Emil Gilels und David Oistrach sowie die Ravel-Konzerte mit Samson François. Hinzu kommen zahllose Ouvertüren und Showpieces von Berlioz, Herold, Franck, Wagner usw. Seine späte Geliebte, die Sängerin Anja Silja, bezeichnet den Dirigenten als "beinahe zu zurückhaltend", so dass er sich dem Klischee des superioren Star-Dirigenten nicht fügte. Man spielte für ihn, so Silja, nicht weil man ihn fürchtete, sondern weil man ihn mochte.

Mit etwa 100 Euro für 65 CDs eine Gelegenheit, die sich entgehen zu lassen eigentlich dumm wäre.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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