Evgeny Kissin: Beethoven © Deutsche Grammophon
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Solisten, Orchester, Kammermusik - Evgeny Kissin: Beethoven

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Mit seinem ersten Album mit Beethoven-Sonaten feiert der russische Pianist Evgeny Kissin zugleich seine Rückkehr zur Deutschen Grammophon, wo er einst als Wunderkind startete. Glückliche Heimkehr?

Für seine "Heimkehr" zur Deutschen Grammophon, wo Evgeny Kissin vor bald 30 Jahren seine internationale Karriere begann (gefördert von Herbert von Karajan), hat sich der heute 45-jährige Weltstar Beethoven ausgesucht. Weil er live besser sei (was, nebenbei gesagt, ein erhebliches Fragezeichen hinter all die Studioaufnahmen setzt, die Kissin in den zwischenliegenden Jahrzehnten gemacht hat), stammen die sechs Live-Mitschnitte von sechs verschiedenen Orten (Amsterdam, Montpellier, New York, Seoul, Verbier und Wien).

Dass Kissin die üblichen "Namens-Sonaten" für sein erstes Album mit Beethoven-Solowerken gewählt hat (vermehrt durch eine frühe und die letzte Sonate sowie durch die c-Moll-Variationen), spricht nicht für ein persönliches oder ungewöhnliches Beethoven-Bild. Sondern nur dafür, dass auch Kissin die berühmten Pferdchen gern reiten will. Die Gretchen-Frage, ob er nicht nur ein überragender Chopin-, Scriabin-, Liszt- und Tschaikowsky-Interpret, sondern auch ein guter Beethoven-Spieler sei, lässt sich in meiner Optik nicht allzu günstig beantworten.

Nicht misslungen, aber ...

Kissin wählt, wenig überraschend, einen lyrischen, eher gefühlhaften Zugang – aber nicht zu stark! Er übt Zurückhaltung bei den Rubati – aber rubatiert trotzdem ein bisschen. Er will einen singenden Beethoven – aber eben nicht zu sehr! Diese ständige "Ja, aber"-Haltung verkennt, dass Beethoven eine doch eben ganz eigene Handschrift besaß, die sich nicht mit Mitteln anderer Komponisten mischen oder verrechnen lässt. Zum Vergleich (um hier nur Vorgänger aus dem Katalog der Deutschen Grammophon heranzuziehen): Emil Gilels, gleichfalls mit russischem Background, trumpfte weit härter auf (und "sang" trotzdem ganz wunderbar). Wilhelm Kempff, ein Feingeist und Lyriker am Klavier, verweigert bei Beethoven jeden romantischen Zartsinn; und besteht stattdessen auf dem festen Statuieren des Tatsächlichen. Mit beiden Kollegen kann Kissin hier leider nicht im Entferntesten konkurrieren.

So ist dies ein nicht misslungenes Album, aber doch eines, das nur den interessieren kann, der sich Kissin interessiert. Schon Richter und Gilels waren weiter! Als Heimkehr in den goldenen Hafen der Deutschen Grammophon ist das Projekt denkbar ungünstig gewählt.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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