Hans Knappertsbusch © Orfeo
Bild: Orfeo

Orchester - Hans Knappertsbusch

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Der deutsche Dirigent Hans Knappertsbusch dirigiert Werke von Beethoven, Weber und Brahms. Es handelt sich um Live-Mitschnitte aus Köln von 1962 und 1963. Nichts Besonderes oder?

Eine neuerliche Veröffentlichung von Live-Konzerten mit dem Dirigenten Hans Knappertsbusch (hier aus Köln, 1962 und 1963) stürzt das gewohnte Bild des rustikalen, grobianischen Sanguinikers, der Knappersbusch war, nicht eigentlich um. In den radikalen Tempoverschleppungen versucht er, besonders in den Haydn-Variationen, kaum weniger als eine Erfindung der Langsamkeit auf dem Brahms-Wege. Der elegische, monumentalsierende Zugriff, geschult an Wagner und Bruckner, geht jedoch mit einer enormen Sogkraft einher. Niemand anderes hat Langsamkeit und musikalisches Gewicht so sehr als dramatischen Trumpf auszuspielen versucht wie Knappertsbusch. Darin: wahrlich originell.

Lehrreich

Die optimal remasterten Aufnahmen der Firma "Orfeo" befreien die Mitschnitte vom Makel des Schmuddel-Images, der noch immer vielen "Kna"-Aufnahmen anhaftet. Alle hier vertretenen Werke – Brahms’ Dritte, Beethovens 3. Klavierkonzert mit Geza Anda und die Euryanthe-Ouvertüre von Weber –, dürften für Kenner kein Novum sein, da Knappertsbusch dasselbe Repertoire wieder und wieder aufzuführen liebte.

Das Phänomen dieses Dirigenten aber, der in der Nazi-Zeit in Deutschland blieb und sich den Machthabern als "unzuverlässig" empfahl, enträtselt sich besser denn je. Als Studio- und Schallplatten-Muffel lebte Knappertsbusch hauptsächlich für Live-Aufführungen – und nur unter ihren Bedingungen sind seine Tempo-Entscheidungen (ähnlich wie bei Celibidache) verständlich. In seiner monolithischen Sperrigkeit dürfte es – gerade heute, wo alles auf Flexibilität und Perfektion ausgerichtet ist – kaum einen lehrreicheren Dirigenten geben als ihn.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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