Krystian Zimerman © Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

Solo - Franz Schubert: Sonaten D 959 und D 960

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Auf seiner neuen Solo-CD spielt Krystian Zimerman die zwei letzten Sonaten von Schubert. Nicht gerade eine ungewöhnliche Repertoire-Wahl. Aber eine ungewöhnliche CD?

Für seine erste Solo-CD seit 25 Jahren hat sich Krystian Zimerman – einer der fünf besten Pianisten der Gegenwart – für die beiden letzten vollendeten Sonaten von Franz Schubert entschieden (aus dessen Sterbejahr 1828). Der Ton ist herbstgolden. Ein Zugriff von größter Ebenmäßigkeit, aber auch einigem Aplomb, verrät bei Zimeman einen auf Perfektion und letztgültige Aussagekraft erpichten Schubert-Stil.

Man muss das gewiss bewundern für ein Maß an Ausnuanciertheit, Durchgefeiltheit und Poliertheit – oder, um mich kulinarischer auszudrücken: für Offenbarungslerlebnisse einer pianistischen Molekularküche, die hier ein Äußerstes an Geschmacksexplosionen und überraschenden Farbvalenz-Erschütterungen aufzubieten weiß.

Überragender Kunstverstand

Nun hat sich am Schubert-Bild, welches bei Zimerman obwaltet, seit 50 Jahren anscheinend wenig geändert. Schon Clifford Curzon, Kempff und Richter verfuhren nach ähnlichen Maßstäben – nur weniger gepeinigt von jenem höllischen Perfektionismus, wie er Zimerman ganz offensichtlich plagt. Das führt gelegentlich (besonders zu Anfang der B-Dur-Sonate D960) zu leichten Temperamentseinbrüchen: zu Anfällen scheinbarer Müdigkeit.

Es fehlt – bei aller Superiorität des Pianisten und dieser Platte sei es gesagt – eine Spur des Unebenen und der stegreifartigen Spontaneität. Ein Moment des Wienerischen, gartenlokalhaft Hingeworfenen. Stattdessen ist alles: Gruß der Ewigkeit. Immerhin! Dem zeugnishaft großen Ernst dieser von überragendem Kunstverstand zeugenden CD wird niemand den Respekt versagen können.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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