Johannes Brahms: "Frei aber einsam"; Montage: rbb
Bild: Berlin Classics

Kammermusik - Johannes Brahms: "Frei aber einsam"

"Frei aber einsam" - als persönliches Motto und als künstlerisches Credo hat diese romantische Losung das Leben des Komponisten Johannes Brahms geprägt. Die dazugehörige Tonfolge F-A-E entfaltet im Schlusssatz der Sonate op. 5 ihre nachhaltige Wirkung.

Kräftige, absteigend Bässe in der linken Hand, eine dramatisch aufsteigende, mehrfach geschwungene Figur mit der rechten dazu - schon in den ersten Takten der Sonate op. 5 von Johannes Brahms zieht uns Matthias Kirschnereit tief hinein in das romantische Bekenntnis zur künstlerischen Unabhängigkeit: frei aber einsam !

Romantischer Schlussstrich

So wuchtig und kraftvoll die Sonate op. 5 beginnt, so zart führt Matthias Kirschnereit den zweiten Satz, die "Romanze" aus. Hier ist das Glück für einen musikalisch schönen Moment greifbar. Doch schon bald verfinstert sich der Himmel und im Schlusssatz wird dann ein Schlussstrich unter jegliche Verliebtheiten gezogen. Die Musik vermittelt dabei aber keine traurige Verzagtheit, eher ein entschlossenes "So, und nicht anders !", mit dem sich Brahms für das eine entscheidet und das andere lieber sein lässt. Dieses Bekenntnis des Komponisten wird von Matthias Kirschnereit kraftvoll unterstrichen.

Im  Zusammenspiel mit der Münchner Geigerin Lena Neudauer lässt Kirschnereit dann die erste Hälfte des Brahms-Albums ausklingen, im "Scherzo" aus der FAE-Sonate WoO 2 gelingt dem Duo eine energiegeladene, emotionale Darbietung.

Norddeutsche Melancholie

Die zweite Hälfte des Albums gehört dann allein dem Klavierquintett op. 34, aufgenommen zusammen mit dem Amaryllis Quartett, ebenfalls vortreffliche Interpreten der Musik von Johannes Brahms. Dessen herbe norddeutsche Emotionalität wird dem 1962 im westfälischen Dorsten geborenen Pianisten vielleicht bekannt vorkommen: Kirschnereit lehrt als Professor an der Rostocker Musikhochschule, leitet mit den "Gezeitenkonzerten" ein renommiertes Kammermusikfestival in Ostfriesland und hat sich als  Wahlheimat die Hansestadt Hamburg ausgesucht - wo Johannes Brahms im Jahr 1833 in Sichtweite des Hafens, im "Gängeviertel" geboren wurde. Und dort hat Brahms in der Kindheit und Jugend vermutlich auch eine Prägung durch die "norddeutsche Melancholie" erfahren, die in wunderbarer Weise auf diesem herbstlichen Doppelalbum zum Ausdruck kommt.

Hans Ackermann, kulturradio

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