Maria Callas Live; © Warner Classics
Bild: Warner Classics

Arien - Maria Callas Live

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Auf 42 CDs und drei Blue-Rays hat Warner die gesammelten Live-Gesamtaufnahmen von Maria Callas neu veröffentlicht – und neu remastert, zum ersten Mal seit fast 20 Jahren.

Tatsächlich klingen die Aufnahmen räumlicher, wärmer, natürlicher. Leiden aber für ungeübte Hörer gewiss immer noch unter historischen Zeitumständen (und Rauschen). Zum Teil basieren sie sogar auf neuen Quellen des Aufnahmematerials. 12 von 20 gebotenen Werken hat die Callas nur in Live-Aufnahmen dokumentiert. Darunter befinden sich so epochale Mitschnitte wie "I vespri siciliani" (1951 unter Erich Kleiber), "Macbeth" (1952 unter Victor de Sabata), "Nabucco" (1949 mit Gino Bechi), "Parsifal" (1950 unter Vittorio Gui) und "Andrea Chenier" (1955 mit Mario del Monaco).

Hinzu kommen legendäre Live-Dokumente wie die Lissaboner "Traviata" (1958 mit Alfredo Kraus), die Berliner "Lucia di Lammermoor" (1955 unter Karajan im Theater des Westens) und "Medea" (1953 unter Bernstein).

Was in all diesen Mitschnitten packender zutage tritt denn je, ist die Fähigkeit der Callas, durch ihre bloße Anwesenheit das Publikum zur Raserei zu bringen. Schon bevor ein erster Ton erklungen ist (z.B. in "Poliuto", 1960 an der Scala), geraten die Leute in eine sonst ungeahnte Extase – und buchstäblich aus dem Häuschen.

Als Kundry provoziert Callas derlei Reaktionen regelrecht durch den Übergang des Singens zum Schrei. Das ist nicht als Effekthascherei misszuverstehen. Sondern kennzeichnet das vulkanische Temperament der Sängerin und erklärt, warum ihre Kunst nicht nur aufregend, sondern fast immer auch enervierend ist. Originell blieb sie, weil sie dieses Verfahren gern auch auf den vermeintlichen Ziergesang des "Belcanto" anwandte; und diesen damit umdeuten konnte.

Maria Callas in "Alceste", Teatro alla Scala, ca. 1953; Foto: Erio Piccagliani/Warner Classics
Maria Callas in "Alceste", Teatro alla Scala, ca. 1953; © Erio Piccagliani/Warner Classics | Bild: Erio Piccagliani/Warner

Animalische Reflexe heraufbeschwörend, lernt man die Diva assoluta hier also als prononcierte Live-Künstlerin womöglich neu kennen. Gewiss, der zuvor erschienene Koffer mit sämtlichen Studio-Aufnahmen geht vor. Auch diese Sammlung indes – die Aufnahmen sind auch einzeln erhältlich – darf als essentiell gelten. Sie enthält neben teilweise neuem Fotomaterial auch eine Auflistung sämtlicher Auftritte der Sängerin in den betreffenden Werken.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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