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CD-Kritik - "Gershwin"

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Musik von George Gershwin in historischer Aufführungspraxis? Mit Anima Eterna Brugge unter Jos van Immerseel ist das kein Problem ...

Seit nunmehr 30 Jahren ist das belgische Ensemble Anima Eterna Brugge ein Garant für die entstaubte Wiedergabe von vertrautem Repertoire im originalen Klangbild. Immer wieder macht sich das Orchester auf die Suche nach dem jeweils zum Stück passenden Instrumentarium bzw. nach zeitgenössischen Spieltechniken. Schon mehrfach sind die Musiker unter ihrem Gründer und Leiter Jos van Immerseel dabei ins späte 19. und beginnende 20. Jahrhundert vorgedrungen und haben mit ihren Ravel-, Debussy-, Orff- und Poulenc-Darbietungen für großes Aufsehen gesorgt.

Hohe Transparenz dank originaler Instrumente

Auf ihrer neuesten Produktion hat sich Anima Eterna bekannte Werke von George Gershwin vorgenommen. Auch diesmal wurden aufwändige Recherchen betrieben, schließlich hat sich das Orchester für Blas- und Perkussionsinstrumente entschieden, die Anfang des 20. Jahrhunderts in amerikanischen Jazzbands in Gebrauch waren; die Geigen verwendeten eine Mischbespannung aus Darmsaiten (G-, D-, A-Saite) und Stahlsaite (E-Saite). Das Ergebnis ist verblüffend: Die bekannten Gershwin-Werke erklingen hochgradig transparent, viele Instrumentalsoli, die man vorher gar nicht oder nur schemenhaft wahrgenommen hat, sind jetzt enorm plastisch zu hören. Die hohe Transparenz geht jedoch auf Kosten des Tempos, das keinen Rausch entfacht, sondern eher zurückhaltend bleibt, dafür aber alle Töne hörbar macht.

Rhapsody in blue in der Urversion für Jazzcombo und Klavier

Ein besonderer Höhepunkt ist die Rhapsody in blue, die Immerseel in der älteren Version für Jazzband und Klavier spielt. Der Flügel – ein Steinway von 1906, gespielt von Bart van Caenegem – knallt und lärmt nicht und entfaltet eine enorme Klarheit; die Jazzband brilliert mit überraschenden Saxophon-, Banjo-, Klarinetten- oder Trompetensoli. Mit fünf Gershwin-Songs ist schließlich die amerikanische Sopranistin Claren McFadden zu hören, die für dieses Repertoire eine wunderbar wandlungsfähige und ausdrucksstarke Stimme besitzt. In den Tutti-Stellen hat sie allerdings manchmal etwas Mühe, sich gegen das munter aufspielende Orchester durchzusetzen.

Wer Gershwin mal anders als gewohnt, aber dennoch in hoher Qualität hören will, dem sei diese neue Produktion von Anima Eterna nachdrücklich empfohlen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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