Amadeus Quartet: The Complete Recordings on Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

CD-Kritik - Amadeus Quartett - The Complete Recordings on Deutsche Grammophon

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Das Amadeus Quartett, gegründet 1947 in London, war das produktivste und wichtigste Streichquartett der Nachkriegszeit (noch vor dem Julliard Quartet, dem Guarneri Quartet, dem Quartetto italiano und dem Alban Berg Quartett).

Ihr Beethoven war strukturhärter, ihr Schubert bitterer, ihr Haydn witziger und ihr Mozart konstruktiver als bei allen anderen. Zum 70-jährigen Jubiläum (das Ensemble löste sich 1987 nach dem Tod ihres Bratschers konsequent auf) erscheinen jetzt auf 70 CDs sämtliche Aufnahmen, die das Quartett bei seinem Stammlabel, der Deutschen Grammophon, hinterlassen hat. (Es fehlen nur die früher entstandenen RIAS-Produktionen, die sowohl technisch wie interpretatorisch noch nicht so weit sind wie die hier gebotenen Studio-Aufnahmen.)

Das Amadeus Quartett bestach stilistisch durch einen radikalen, von keinerlei Schönheitskompromissen getrübten Ausdruckswillen. Ihre Nachwirkung besteht aber eher in einer Definition des Kernrepertoires, wie es bis heute für alle Streichquartette verbindlich geblieben ist. Also: Haydn und Schubert in Auswahl, Mozart, Beethoven und Brahms, aber ganz! (Dass die Interpretationsgeschichte danach noch weiter ging, merkt man am gänzlichen Fehlen der Streichquartette von Bartók und Schostakowitsch.) Unter Primgeiger Norbert Brainin klang man gern herb, tonlich gegerbt und sogar grell. Anflüge von historischer Aufführungspraxis sind nicht zu merken. Perfektionismus und Konstruktivismus der Darstellung hingegen deuten auf eine Modernität hin, die in etlichen Aspekten bis heute nicht übertroffen wurde. (Das gilt, obwohl heutige, auf Blitzsauberkeit getrimmte Quartette diese legendäre Vorgänger-Formation oft ignorieren – was gegen sie spricht!)

Die "Amadeusen" (wie man das Quartett innerhalb der Firma nannte) waren keine Schöngeister, aber auch keine Akademiker. Sondern ein Turbo-Quartett von enormem Scharfblick und oft unerreichter musikalischer Entschiedenheit. Die quadratische Box erschien bereits Ende September (zu Preisen von ca. 140 bis 180 Euro – zweifuffzich pro CD!). Wer weihnachtlich interessiert ist, sollte sich beeilen.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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