Franz Schubert: Arpeggione-Sonate, Klaviertrio Nr. 2; Montage: rbb
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Kammermusik - Franz Schubert: Arpeggione-Sonate, Klaviertrio Nr. 2

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Mit der Arpeggione-Sonate von Franz Schubert hat die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker ihre "Lieblingssonate" aufgenommen. Geschrieben wurde das Werk ursprünglich für ein Instrument, das es heute nur noch im Museum gibt.

Der Arpeggione war der Versuch, die leichte Spielbarkeit der Gitarre mit der Klangpracht des Cellos zu verbinden: mit sechs Saiten und Bünden genauso wie das Zupfinstrument ausgestattet, wurde der Arpeggione aber wie ein Cello zwischen den Knien gehalten und mit dem Bogen gestrichen. Durchsetzen konnten sich die Erfindung des Wiener Geigenbauers Johann Georg Stauffer nicht, nur im Museum finden sich heute noch einige der um das Jahr 1820 gebauten Instrumente.

Wohlklang

Schuberts Sonate ist für Cellisten ein echte Herausforderung, denn die originalen Fingersätze des Arpeggiones lassen sich kaum auf das Cello übertragen. Wer aber die spieltechnischen Mühen auf sich nimmt und die feinsinnigen Strukturen dieser Sonate herausarbeitet, darf sich und das Publikum dann im dritten Satz mit kammermusikalischem Wohlklang in strahlendem Dur belohnen. Nicht verwunderlich, dass Marie-Elisabeth Hecker hier von ihrer "Lieblingssonate" spricht und dem Werk zusammen mit dem Pianisten Martin Helmchen neue Tiefe verleiht.

November

Beide Werke dieses Albums sind an Novembertagen entstanden, die Arpeggione-Sonate im Herbst 1824, das Klaviertrio Nr. 2 dann drei Jahre später. Aus beiden Werken klingt herbstliche Melancholie, im Klaviertrio sind deutlich hörbar stärkste Emotionen eingeflossen, die sich bisweilen eruptiv klangliche Geltung verschaffen. Die drei hervorragend aufeinander abgestimmten Musiker führen dabei insgesamt einen konzentrierten Dialog und halten die jeweilige Binnenspannung der Werke konsequent hoch.

Unaufdringlich

Die Dramatik Schuberts hat dazu geführt, dass Auszüge aus dem zweiten Klaviertrio auffallend häufig als Filmmusik ausgewählt wurden, von Stanley Kubrik, Tony Scott oder auch von Michael Haneke für seinen mehrfach preisgekrönten Film "Die Klavierspielerin". Tiefe Emotionen, milde Melancholie und eine packende Dramatik, die aber immer unaufdringlich und leicht fasslich bleibt.

Wer Franz Schubert aufgrund dieser Eigenschaften mag, wird dieses sehr gelungene Album zu schätzen wissen.

Hans Ackermann, kulturradio

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