Claudio Monteverdi: Selva morale e spirituale
Bild: Harmonia mundi France; Montage: rbb

Alte Musik - Claudio Monteverdi: Selva morale e spirituale (Auszüge)

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Claudio Monteverdis kompositorisches Vermächtnis – die Sammlung "Selva morale e spirituale" – wurde vom Balthasar Neumann Ensemble unter Pabo Heras-Casado neu eingespielt.

Als Kapellmeister an der Basilika San Marco in Venedig setzte sich Claudio Monteverdi für den neuen, expressiven Musizierstil ein, der auf einer affektreichen Umsetzung des gedichteten Textes beruhte und damit die Barockepoche einläutete. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist seine Sammlung "Selva morale e spirituale". Dieser 1641 erschienene Band enthält geistliche Werke unterschiedlichster Besetzung und gilt als kompositorisches Vermächtnis des Kapellmeisters nach fast 30-jähriger Tätigkeit an San Marco. In seinem Vorwort erwähnt Monteverdi die mannigfaltigen "Kreaturen", die in diesem großen "moralischen und spirituellen Wald" – so der Titel – "Schutz fanden" und unterstreicht damit die stilistische Vielfalt der Sammlung.

Auswahl von Pablo Heras-Casado

Knapp 40 teils sehr umfangreiche Kompositionen hat Claudio Monteverdi in der Sammlung "Selva morale" zusammengefügt. Pablo Heras-Casado hat aus diesem überwältigenden Fundus eine kluge und repräsentative Auswahl getroffen. Als opulente Eckpfeiler der Aufnahme fungieren je eine Vertonung des Psalmes "Dixit Dominus" und des Magnificats für acht Vokalstimmen und obligate Instrumente. Dazwischen sind kleiner besetzte geistliche Konzerte, geistliche Madrigale und weitere Psalmen zu hören. Einzig auf die Präsentation des alten Stils, dem Monteverdi in der "Selva morale" eine "Messa da cappella" widmet, verzichtet der spanische Dirigent.

Interpretation durch Balthasar Neumann Chor & Ensemble

Pablo Heras-Casado kann mit den Mitgliedern des Balthasar Neumann Chores & Ensembles auf hervorragende Musiker und erfahrene Kenner der frühen Barockmusik zurückgreifen. Die Sängerinnen und Sänger übernehmen sowohl die chorischen als auch die solistischen Partien. Das gelingt hervorragend, im Tutti ist ein überaus homogenes Ensembles zu vernehmen, die oftmals anspruchsvollen und koloraturreichen Soli werden gleichfalls hervorragend dargeboten. Herausragend unter den 16 Vokalisten sind die beiden Sopranistinnen Magdalene Harer und Hanna Zumsande sowie der Tenor Jakob Pilgram. Absolut hochwertig ist auch das Instrumentalensemble besetzt, wobei hier insbesondere die Continuogruppe zu begeistern weiß: mit rauschend-fantasievollen Theorben- und Harfenklängen (Joachim Held, Margret Köll) und mit dem sinnvollen Wechsel von Orgel und Cembalo (Michael Behringer) geht es in der bei Monteverdi so wichtigen Basslinie sehr abwechslungsreich zu.

Pablo Heras-Casado neigt insbesondere in den Tuttistellen und Ritornellen zu schwungvollen Tempi, die der Musik eine große Lebendigkeit verleihen. Zuweilen schießt er hier auch über das Ziel hinaus, wenn diese Vitalität nämlich auf Kosten der Textverständlichkeit (die Monteverdi ja so wichtig war) geht.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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