Sabine Devieihle: Mirages © Erato
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CD-Kritik - Sabine Devieihle: Mirages

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Auf ihrer bereits dritten Solo-CD versammelt die Koloratursopranistin Sabine Devieihle Arien in französischer Sprache – unter dem Titel "Mirages". Was ist damit gemeint?

Für die 32-jährige französische Koloratur-Sopranistin Sabine Devieihle ist "Mirages" bereits das dritte Solo-Album. Nach einer Rameau- und einer Mozart-CD versammelt sie einerseits Wahnsinnsarien (z.B. aus "Hamlet"), andererseits Beispiele des Exotismus im französischen Repertoire der Belle Époche – ein programmatischer Spagat (oder Salto mortale), der zu erkennen gibt, dass in Wirklichkeit einer hochtalentierten Koloratursopranistin Gelegenheit gegeben werden soll, ihr Können in größtmöglicher Breite unter Beweis zu stellen.

Stimmschön

Devieihle verfügt über eine elegant großbogige, sehr lyrische, gar nicht piepsige Primadonnenstimme der allerleichtesten Gewichtsklasse. Höchstens in den äußersten Spitzentönen erbleicht oder versteift die Stimme um eine Spur. Bleibt aber im Übrigen sehr stimmschön, idiomatisch und ohne jede Neigung zur Schärfe. Die Stimme klingt weich trotz Höhensicherheit. Die textliche Idiomatik ist blütenrein. Es fehlt auch jener charakteristische Zitronenspritzer, den französische Soprane dieses Fachs sonst oft haben. Hier zwickt oder kneift nichts. Mit anderen Worten: Hier ist die Nachfolgerin von Natalie Dessay (die auf dramatischere Abwege geriet) und Patricia Petibon (die vom Barock herkam und mittlerweile wieder dorthin zurückgekehrt scheint).

Großartige Sängerin!

In der quietschbunten Mischung verbergen sich auch Trouvaillen wie die "Quatre poèmes hindous" des Ravel-Privatschülers Maurice Delage, Strawinskys "Rossignol" und etliche Kleinigkeiten von Debussy und Ausschnitte aus "Lakmé" von Léo Delibes (auch die berühmte "Glöckchenarie"). Teilweise gemeinsam mit Marianne Crebassa, am Klavier hier und da begleitet von Alexandre Tharaud, sonst vom Ensemble Les Siècles unter Francois-Xavier Roth, muss sich Devieihle nach erstrangigen Mitstreitern offenbar nicht mehr lange umsehen. Leichte Abzüge gibt es bei den Trillern und sehr raschen Verzierungen (weshalb in der Auswahl getragene Tempi vorherrschen). Ansonsten: Großartige Sängerin! Am 28. Februar ist sie beim Deutschen Symphonie-Orchester (unter Raphaël Pichon) mit Rameau-Arien zu Gast.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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