John Adams: American Berserk © Cragg Foundation
Bild: Cragg Foundation

Kammermusik - John Adams: "American Berserk"

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Kurz, manisch, bipolar und "scherzo" – mit diesen vier Eigenschaften beschreibt John Adams seine 2001 komponierte Klavierfantasie "American Berserk".

Allzu wörtlich sollte man den Titel des Stückes allerdings nicht nehmen: Hier wird nicht am Klavier getobt, gebrüllt oder gewütet, auch bleibt das Instrument unversehrt. Die auf diesem Album versammelten kammermusikalischen Werke des 1947 im US-Bundesstaat Massachusetts geborenen Komponisten sind aber durchaus temperamentvoll und mit Humor zu spielen.

Tänze

Etwa die Suite "John's Book of Alleged Dances" – eine Sammlung von zehn vermeintlichen "alleged"-Tänzen. Wie der "Dogjam", den es zwar nicht gibt, der bei dieser expressiven Musik aber schnell vor dem geistigen Auge des Hörers entsteht. Und auch bei "Alligator Elevator" oder "Stubble Crotchet", wie weitere Sätze in diesem "Streichquartett mit CD-Zuspielungen" heißen, kann sich die Phantasie der Zuhörer frei entfalten. Die vier Streicher dagegen – hauptamtlich im Sinfonieorchester Wuppertal beschäftigt – müssen mit größter Präzision die rhythmischen Vorgaben des Komponisten einhalten.

Grooves

Denn in der Musik des derzeit wohl bekanntesten zeitgenössischen Komponisten der USA steht die markante Rhythmik immer im Vordergrund. Vor allem das frühe "China Gates" von 1977 spielt mit rhythmischen Repetitionen. Damit wird der kompositorische Ursprung des Komponisten in der Minimal Music hörbar, auch wenn sich Adams später von der "reinen Lehre" befreit hat. Seine Musik sei "sehr amerikanisch", lebe vom "musikalischen Puls", bei ihm regiert der "Groove" – ohne Berührungsängste nutzt Adams diesen Begriff aus der Popmusik als Satzbezeichnung, wenn er den ersten Abschnitt seiner "Road Movies für Violine und Klavier" mit "Relaxed Groove" überschreibt.

Klaviere

Höhepunkt dieses Albums, das eine kammermusikalische Werkschau der letzten 30 Jahre  präsentiert, ist "Halleluja Junction" für zwei Klaviere. John Adams hat das Werk im Januar 2017 bei seinem Aufenthalt als "Composer in Residence" in Berlin mit den beiden Pianisten Majella Stockhausen und Holger Groschopp erarbeitet und in der Philharmonie aufgeführt.

Der Vortrag des Stückes, das von Begebenheiten aus dem Leben des Komponisten an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada inspiriert ist, bildet den pulsierenden Abschluss eines gelungenen Albums.

Hans Ackermann, kulturradio

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