Beethoven: Klaviersonaten © Deutsche Grammophon
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Klavier - Beethoven: Klaviersonaten

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Hammerklavier und Mondschein – ein Beethoven ohne Mühewaltung, ohne Härten und ohne Gewalt

Trotz seiner 50-jährigen Pianistenkarriere hatte der US-Amerikaner Murray Perahia noch nie die Hammerklavier- und noch nie die Mondschein-Sonate aufgenommen (im Unterschied zu knapp der Hälfte der übrigen Beethoven-Sonaten, die es mit ihm gibt). Das hat gewiss auch damit zu tun, dass Perahia, aufgrund der ausgeprägten Lyrik seines Spiels, für die kantige Kontrapunktik des späten Beethoven nie sonderlich prädestiniert erschien.

Obwohl Perahia aufgrund musikalischer Integrität für seine Sonderstellung innerhalb der Pianistenwelt nie kämpfen musste, hing ihm doch zuweilen das Klischee des "Schmetterlingshaften", wenn nicht gar "Blumigen" an. Letzteres ist gewiss übertrieben. Und zwar für dieses ebenso wie für alle anderen Alben dieses absoluten Weltrang-Pianisten.

Durchaus großartig

Sein "Schüler" Francesco Piemontesi, dem ich Perahias Aufnahme der Hammerklavier-Sonate vor einigen Tagen "blind" vorspielte, und der von dieser CD bislang nichts wusste, erkannte den Interpreten auf Anhieb! – nur aufgrund der Konvergenz dessen, was Perahia ihm über das Werk erzählt hatte, mit dem was er hörte. Dies untrügliche Profil beschreibt die Verdienste der CD nicht schlecht. Es ist ein Beethoven ohne Mühewaltung, ohne Härten und ohne Gewalt.

Bei voll entfalteter Lyrik der Empfindung pocht hier jemand darauf, dass bei Beethoven sozusagen unter rauher Schale ein Herz aus Gold schlug. Doch Perahia drückt dies aus, ohne lasch zu werden. Der gesangliche, sogar hymnische Ton wird niemals sentimental, meidet Rubati und behält einen enorm klaren Blick. Altmodisch mag man dies trotzdem nennen – aufgrund der Gefühldichte. Meisterhaft muss man es nennen. So überlegen disponiert, strukturiert und interpunktiert hat man besonders diese großen Werke, besonders die Hammerklaviersonate, kaum je gehört. Durchaus großartig.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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