"Joseph Calleja – Verdi"; Montage: rbb
Bild: Decca

CD-Kritik - Joseph Calleja – Verdi

Bewertung:

Arien aus "Aida", "Il trovatore", "La forza del destino", "Don Carlo" und "Otello"

Auf seinem sechsten Solo-Album widmet sich der maltesische Tenor Joseph Calleja (40) ganz einem Komponisten, der für ihn schon immer eine, wie es scheint, maßgebliche Rolle spielte: Giuseppe Verdi.

Tatsächlich bildet die CD indes den wohl größten Fach-Fortschritt ab, den Calleja bislang hinter sich brachte. Denn hier geht es fast ausschließlich um die dramatischeren Verdi-Helden. Don Carlo ist noch harmlos. Mit Alvaro und Manrico geht es schon steil in Richtung Nahkampf. Mit Radamès (in "Aida") und Otello ist der Gipfel der Verdi-Herausforderungen für jeden Tenor erreicht.

Eine erstaunlich gute Figur

Auf der Bühne singt Calleja bislang nicht eine einzige dieser Rollen; hier auf Platte indes macht er erstaunlich gute Figur. Die recht breitgeführte Stimme hat Flaum angesetzt und wirkt weicher, aber zugleich voluminöser denn je. Leichte Ähnlichkeiten mit dem butterflockigen Tenor von Luciano Pavarotti fallen auf.

Andererseits besitzt Callejas Tenor fast grundsätzlich eine leicht elegische Färbung, eine beinahe metallische Träne und einen Klageton, der von fern an den großen schwedischen Tenor Jussi Björling erinnert. Beide Vorläufer überwanden ähnlich die Distanz zu diesen Verdi-Rollen, die sie – so wie Calleja – meist nur auf Platte gesungen haben.

Weit besser als erwartet

Mit großem Brustkorb, leicht breitbeinig aufgestellt, sieht man Calleja vor sich. Längst nicht so locker wie Pavarotti, sondern ein bisschen tumb und unflexibel. Sängerisch aber ist das hier alles enorm souverän bewältigt – weit besser als erwartet. Aufgrund einer leichten Schwerfälligkeit des Temperaments scheint Calleja bei den schweren Verdi-Rollen sogar besser aufgehoben (er wird wohl nicht sehr lange zögern, bis er die Partien auch auf der Bühne singt). Sehr beeindruckende Platte!

 

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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