Carl Michael Ziehrer: Heut ist heut
Bild: Preiser; Montage: rbb

Marschmusik - Carl Michael Ziehrer: "Heut' ist heut'" (Ziehrer-Edition Vol. 25)

Bewertung:

Ziehrer, einer der erfolgreichsten Nachahmer und Konkurrenten von Johann Strauß, war ein begnadeter Tanzkomponist, mittelmäßiger Operettenschöpfer und leider auch ein Routinier, der sehr viel geschrieben hat: insgesamt über 600 Tanzstücke.

Während man bei Johann Strauß Sohn oder Joseph Strauß immer das Gefühl hat, dass sie ein gewisses Niveau nie unterschreiten, gibt es bei Ziehrer zuweilen auch sehr zähe Stücke, in denen einfach nichts passiert, die Musik völlig leerläuft wie ein Motor in einem stehenden Auto. Dann gibt wieder sehr "rummsige" Militärmärsche von ihm, die in ihrer Barschheit nicht immer den Wiener Charme der Strauß-Dynastie haben, sondern manchmal eher unangenehm preußisch daherrasseln.  

Lebendig sind vor allem noch seine süffisanten, lasziven, sehr mondänen Walzer, die zum Teil schon Lehars Welt vorwegnehmen; es ist sicher kein Zufall, dass es meist die Walzer sind, die es bis ins Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker geschafft haben.

Lohnt eine Entdeckung

Ziehrer lohnt eine Entdeckung, aber vielleicht nicht unbedingt eine vollständige Reanimierung – in manchen Fällen müsste man sogar von Exhumierung sprechen. Eine gut musizierte Edition von zehn CDs mit seinen besten Stücken wäre optimal. Hier liegen nun schon 25 vor – und ein Ende ist nicht abzusehen. Fast zu viel des Guten (und Mittelmäßigen).

Dennoch scheint es mir obszön, ein Zuviel an Musik zu kritisieren – solange es Fans und Käufer gibt, bitte sehr, umso besser für das Projekt.

Elegant und durchsichtig

Wenn auch nicht jeder Titel ins Schwarze trifft – zähe Polkas wie "Rutschepeter" sind nicht wirklich Highlights des Ziehrerschen Gesamtwerks –, gespielt wird das Ganze erstaunlich frisch und durchsichtig vom Original Carl Michael Ziehrer Orchester unter der Leitung von Hans Schadenbauer.

Laut Booklet handelt es sich um ein Ensemble mit vorrangig jungen Musikern. Das beigefügte Foto vermag das nicht zu untermauern, schlichtweg deshalb, weil man auf ihm nichts erkennen kann. Doch der akustische Beleg reicht aus. Der Klangkörper ist zahlen- und stimmungsmäßig genau richtig platziert zwischen Kammerorchester und Caféhausensemble, und so erscheinen in dieser Interpretation auch Stücke wie der "Erzherzog Wilhelm Marsch" verblüffend elegant und unmilitärisch.

Sänger zu kleinstimmig und konzertant

Die 5 Operettenausschnitte sind wenig memorabel, dafür sind die vier Sänger für meinen Geschmack zu kleinstimmig und konzertant, auch die Textverständlichkeit lässt zu wünschen übrig. Aber ein Fehlkauf war diese 25. CD der Editon durchaus nicht.

Matthias Käther, kulturradio

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