Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr. 2 Lobgesang © Sony Classical
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Chormusik - Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr. 2 "Lobgesang"

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Die Kammerakademie Potsdam hat als 2. großes Projekt die Gesamtaufnahme der Orchesterwerke von Mendelssohn auf dem Programm. Das vorletzte Werk ist die Sinfonie Nr. 2 mit dem Titel "Lobgesang", die nun als CD erschienen ist.

Im Juni 1840 feierte Leipzig das 400-jährige Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst, die für Leipzig als Bücherstadt eine besondere Bedeutung hatte, denn die Stadt verdankte dem Buchdruck einen Teil ihres Reichtums.

Im Rahmen einer Festwoche dazu fand in der Thomaskirche eine Feierstunde statt. Felix Mendelssohn Bartholdy war als Gewandhauskapellmeister für das Programm verantwortlich.

Zunächst wurden die "Jubel-Ouvertüre" von Weber und das Dettinger "Te Deum" von Händel aufgeführt. Darauf folgte der zeitgenössische Beitrag – und der kam von Mendelssohn selbst, eben diese 2. Sinfonie, der "Lobgesang". Sein Werk ist etwas länger geraten als geplant, denn es ist ca. eine Stunde lang.

Eine Sinfonie-Kantate

Durch das Werk zieht sich der Choral "Alles was Odem hat, lobe den Herrn" aus dem 150. Psalm, den Mendelssohn wie alle anderen Bibelstellen in der Lutherübersetzung verwendet hat. Das allerdings hat ihm Kritik eingebracht, denn er war ja jüdischer Herkunft. Das Werk besitzt keine dramatische Handlung. Es schildert, wie erfolgreich der Weg aus der Finsternis durch den Glauben gewesen ist und ist ein großes Loblied auf den Herrn, eben ein Lobgesang.

Bei Mendelssohn bildet der gesungene Teil den Schwerpunkt, denn die drei Orchestersätze führen wie eine Ouvertüre zu diesem Kantaten-Teil hin.

Gelungene Aufnahme

Es ist eine im Großen und Ganzen gute Aufnahme geworden. Allerdings gibt es sehr viele Interpretationen zum Vergleichen und auch einige ausgezeichnete, wie z.B. eine vom Bayerischen Rundfunk, die vom Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius und die vom London Symphony Orchestra unter Abbado.

Am besten gefällt mir in dieser neuen Aufnahme der Chor des NDR. Er singt schlank geführt und ausgewogen, sehr klangvoll und tragend, differenziert und transparent, auch mit Kraft und Biss wo nötig.

Das Orchester gehört ja in unserer Region zu den führenden Orchestern. Auch hier spielt es frisch und engagiert. Dass die Bässe sehr zurückgenommen erscheinen, mag an der diesbezüglich schwierigen Akustik des Nikolaisaales in Potsdam liegen.

Die drei Solisten füllen ihre Partien stimmig und stilgerecht aus und lassen die Musik strömen.

Insgesamt fehlt mir der große Bogen. Das Werk beginnt sehr wuchtig und wird erst nach dem ersten Chor differenzierter. Dennoch müssen alle Sänger in dieser Aufnahme sehr viel im forcierten Fortissimo singen, was oft bis an die Grenzen des Schönen geht.
So haben wir es hier nicht mit den typisch "glatten Mendelssohn" zu tun, sondern eher mit einem kämpferischen.

Alles in allem ist es eine durchaus gelungene CD, die aber nicht alle schon vorhandenen Aufnahmen in den Schatten stellt.

Astrid Belschner, kulturradio

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